Advent: warm, besinnlich + entschleunigt

weihnachtsbeleuchtung1Ich liebe Weihnachten und vor allem die Vorweihnachtszeit. Ich mag es, wenn es dunkel ist und die Lichtlein überall leuchten. Alles erscheint mir dann so warm, besinnlich und auch entschleunigt. Immer noch. Als Kind und auch noch lange Jahre nach der Pubertät war es meine allerliebste Zeit im Jahr und mein allerliebstes Familienfest. Ich mag es weihnachtliche Accessoires aufzustellen, Kekse zu backen und zu basteln. Und ich liebe Weihnachtsmärkte. Darüber werde ich ganz bald noch berichten. Heute möchte ich von meinen ganz persönlichen Weihnachts-Kindheitserinnerungen erzählen und was ich mir für unsere Frieda wünsche…

Früher, ganz früher, ging ich Heilig Abend Nachmittag immer in die Heilige Messe. Ich selbst bin zwar gar nicht katholisch, die gesamte Familie meines Vaters allerdings schon und da ich ziemlich viel Zeit bei meinen Großeltern verbracht habe, bin ich immer mitgegangen. Es war wunderschön und festlich. Noch heute habe ich nicht nur den Duft von Plätzchen- und Gänsebraten, sondern auch den Geruch des Weihrauchs in der Nase, wenn ich an Weihnachten denke. Den Gottesdienst habe ich auch überhaupt nicht als langweilig in Erinnerung, sondern es wurde ja jedes Jahr ein tolles Krippenspiel aufgeführt, das mich in seinen Bann zog. Als wir aus der Kirche kamen, war es schon ziemlich dunkel. Die Atmosphäre machte alles irgendwie noch geheimnisvoller. Die Vorfreude, die Aufregung und das damit verbundene Herzklopfen wurde immer größer. Bei meinen Großeltern angekommen, versammelte sich dann zunächst die gesamte Familie in der Küche. Unsere „Isermänner“ sind übrigens eine ziemlich große Familie. Mein Vater hat fünf Geschwister und (fast) alle waren ja alle Jahre wieder ebenfalls mit Kind und Kegel dort. Wir Enkelkinder lasen die Weihnachtsgeschichte und trugen zusätzlich Gedichte vor. Für mich war das nie eine Qual oder ein Muss – ich mag sowas noch heute. Dann wurde gesungen und alle, wirklich alle Familienmitglieder sagen mit. Beim Gedanken daran bekomme ich immer noch ein kleines bißchen Gänsehaut und sehne mich danach zurück. Wie wunderschön das immer war. Unsere Oma hatte aber auch eine liebliche Stimme und mit ihr gemeinsam Klang unser Gesang für mich engelsgleich. Echt! Nach den ersten Liedern durften wir dann das Wohnzimmer betreten. Mein Opa hatte zwischenzeitlich die Kerzen am (furchtbar kitschig und bunt geschmückten) Weihnachtsbaum angezündet. Bis zuletzt waren es immer echte Kerzen. Im heimeligen und weihnachtlichen Wohnzimmer wurden noch ein paar Weihnachtslieder geschmettert und dann kam endlich die große Bescherung. Diese Großfamilienidylle, die Harmonie, die Liebe, der Gesang, der Geruch und natürlich auch die Geschenke. Mir wird bei diesen Erinnerungen ganz warm ums Herz.

weihnachtsbeleuchtung2Als mein Opa und später auch meine Oma gestorben sind, wollte ich irgendwie nicht mehr so gerne an der Familien-Weihnachtsfeier teilnehmen. Natürlich kommt auch noch hinzu, dass ich ja inzwischen selbst einen Partner und zusätzliche Familienbesuche unter einen Hut bekommen musste, doch mit dem Tod meiner Großeltern ist das „Weihnachtsfest wie es mal war“ für mich in wunderschöner Erinnerung geblieben. An einer Ersatzfeier an einem der Weihnachtsfeiertage bei unterschiedlichen Familienmitgliedern wollte ich so recht nicht mitmachen. Für mich war das irgendwie immer nicht genau das, was ich mir wünschte. Ich erinnere mich lieber daran, wie zauberhaft es war, als meine Großeltern noch lebten und die ganze große Familie den heiligen Abend bei ihnen verbrachte. Ich zehre von diesen Erinnerungen und ich wünschte, ich könnte unserer Frieda dieses tolle weihnachtliche Gefühl zu Teil werden lassen. Jedoch kann ich ihr nur von diesen geheimnisvollen Festtagen erzählen, aber meine Augen werden dabei glänzen und vielleicht kullert sogar ein Tränchen –  das ist dann aber eine Freudenträne. Trotzdem dieses Weihnachten aus meiner Kindheit nicht mehr genau so zurückzubringen ist, ist meine Liebe zu Weihnachten geblieben. Wir verbringen den heiligen Abend nun seit einigen Jahren bei meiner Mama im ganz engen Kreise unserer Liebsten. Alles ist festlich und wunderschön geschmückt. Meine Mama hat für mich übrigens die schönste und harmonischste Weihnachtsdekoration in den traditionellen Farben, die ich mir vorstellen kann. Es gibt ein leckeres Essen, danach die Geschenke unter dem Weihnachtsbaum. Es ist anders als früher bei meinen Großeltern, aber hat für mich mindestens genau so ein wohlig-warmes Wohlfühlgefühl und ich freue mich jedes Jahr unglaublich darauf. In diesem Jahr kann ich es kaum erwarten, denn diesmal ist es Friedas erstes „richtiges“ Weihnachtsfest. In diesem Jahr läuft sie vielleicht ja schon um den Tannenbaum herum, öffnet ihre Geschenke selbst und auch ihre Augen werden dabei strahlen. In diesem Jahr wollen wir auch bei meiner Mama ein paar Weihnachtslieder singen. Für uns gehört das doch irgendwie dazu. Nur so ist der Heilige Abend ein rundum schöner Heiliger Abend.

Wenn ihr mich fragt, soll Frieda in 30 Jahren auch einmal sagen, dass sie sich für ihre Kinder ein so wunderschönes, geheimnisvolles, traditionelles und zauberhaftes Weihnachtsfest voller Liebe und Wärme wünscht, wie sie es selbst als Kind erlebt hat.

2 Comments

  • Liebe Julia,

    zauberhaft geschrieben – da kriegt man ja beim Lesen schon Gänsehaut.

    Die Weihnachtszeit ist immer so besinnlich, die muss man einfach genießen und sich nicht stressen lassen.

    Wir sind früher auch immer in die Kirche gegangen, zwischenzeitlich nicht mehr, aber seit Mats auf der Welt ist bzw. seit drei Jahren gehen wir wieder. Und es ist so schön!

    Und die strahlenden Kinderaugen ja sowieso.

  • Liebe Julia,

    du hast dir sehr viel Mühe damit gegeben, dein ganz persönliches Weihnachten aufzuschreiben und deinen Leser daran Anteil haben zu lassen. Das gefällt mir sehr gut. Ich finde es toll, dass du dir sehr viel Gedanken darüber machst, wie du dieses Fest auch für deine Tochter zu etwas Besonderem werden lassen kannst.
    Für mich persönlich ist es wichtig, dass an Weihnachten nicht die Menschen im Mittelpunkt stehen, sondern Jesus. Denn es ist ja sein Geburtstag. Ich denke, wenn wir dies nicht vergessen, dann kann Weihnachten immer ein schönes Fest sein, auch wenn sich die Art der Feier in den Jahren, oder auch mit den mitfeiernden Menschen, verändert. In diesem Sinne wünsche ich dir und deiner Familie noch eine ruhige Adventszeit und ein wunderschönes Weihnachtsfest.
    LG Ingrid

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