happy peppy family-life. nicht.

happypeppy2Bei den Bloggern scheint ja irgendwie immer die Sonne. Sie haben große Häuser, schöne Gärten, tolle Klamotten, viele schöne Spielzeuge für’s Mini-Menschen-Kind, haben durchgestylte Wohnungen und fahren schicke Familienautos. Sie verreisen oft (natürlich nur kinderfreundlich) und unternehmen ohnehin sehr viel mit und für den Nachwuchs. Nebenbei schreiben sie auf ihrem Blog von dem manchmal anstrengenden, aber im Großen und Ganzen doch harmonischen Familienalltag. Alles ist ganz wunderbar. Blumig, nur selten wolkig, sowieso liegen sie immer voll im Trend und sind auf dem neusten Stand. Sie schreiben über die (eigentlich) unbeschreiblich große Liebe zu ihren Kindern und loben den starken Mann an ihrer Seite, der ein super Sugardaddy ist, sich gleichermaßen für die Familie „aufopfert“.

Wir erwecken ja bestimmt bei dem ein oder anderen Leser den Anschein, dass auch wir eine diese super tollen Blogger-Familien sind. Ich kann euch aber sagen… Bei uns geht es genauso happypeppi1zu wie bei euch. Klar, einige Firmen stellen uns ihre Produkte kostenfrei zur Verfügung und unser Mini-Menschen-Mädchen bekommt hier und da Spielsachen, Outfits oder sogar Fahrzeuge wie Kinderwagen oder Fahrradanhänger zum testen, die wir dann auf unserem Blog vorstellen und an euch weiterempfehlen. Das ist natürlich schön, jedoch auch mit der (liebgewonnenen) Arbeit des Bloggens, Schreibens, Fotografierens und Filmens verbunden. Materielle Dinge machen das Leben allerdings lediglich etwas komfortabler und ein bißchen angenehmer, aber uns Menschen eben auch nicht wirklich glücklicher. An dieser Stelle sei übrigens nochmal auf meinen Beitrag zum Thema „eingeschlichene Werbung“ verwiesen, auf dem ich ziemlich genau erkläre, wann wir überhaupt für was und wie hier auf unserem Blog werben. Doch, doch. Keine Sorge! Glücklich sind wir also. Sehr sogar. Wir lieben uns, unsere kleine Familie und unser Leben. Nur es ist eben auch nicht immer nur alles happy peppy. Bei uns ziehen manchmal nicht nur Regenwolken auf, sondern es entlädt sich auch mal ein richtiges Gewitter. Seitdem wir nämlich Eltern sind, stoßen wir viel öfter an unsere Grenzen als vorher. Wir fühlen uns hier und da mit einzelnen Situationen überfordert, sind beide mit Arbeit, Haushalt und Familienentertainment extrem aus- und manchmal auch überlastet. An Tagen, an denen wir ohnehin nicht mit dem richtigen Fuß aufgestanden sind, fühlen wir uns vom Partner Schnel zu wenig wahrgenommen, werfen mit Vorwürfen um uns und sind selbst total verletzlich. Wir schaffen es dann oft nicht mehr uns achtsam zu begegnen, auch inmitten von Unsicherheit, Chaos und Angst ausgeglichen zu bleiben, Kritik anzunehmen und eine kreative Lösung für den Konflikt zu finden. Wir streiten wahrlich nicht sehr oft, wenn bei uns aber Sturm hinter der Tapete ist, dann richtig. Es sind auch immer wiederkehrend gleiche oder ähnliche Auslöser, die uns streiten lassen. Festgefahrene Gewohnheiten, die sich nur so schwer ändern lassen. Unser Zwist wird zwar niemals wirklich laut ausgetragen, aber eben leider dann mit harten und verletzenden Worten und viel zu sehr von unseren Gefühlen gesteuert. Ich weine dann wahnsinnig schnell und brauche dringend wieder Verbindung, während Guido in seiner Wut dann keine Versöhnung wünscht und die Klärung des Konflikts gerne vertagt (oder zumindestens vertagen würde).  Ich überschreite in der Auseinandersetzung gerne seine Grenze, lasse ihm wenig Raum und Zeit, happypeppy3sondern bleibe dran und dränge. Das macht das Ganze nicht einfacher. So manches Mal fühlte es sich schon so an, als hätten wir uns in einer Sackgasse befunden, aus der wir noch nicht mal mehr mit dem Rückwärtsgang hätten herauskommen können. Es fühlte sich irgendwie „zu Ende“ und nicht mehr „lösbar“ an. Das wollen wir natürlich beide nicht. So arbeiten wir beide sehr intensiv an uns, unseren blöden Angewohnheiten und dem eingefahrenen Konfliktverhalten den Garaus zu machen.

Fakt ist: So sehr unser wunderbares Mini-Menschen-Mädchen unser Leben auf so vielfältige Weise bereichert und es mit unbeschreiblich großer, unfassbarer Liebe erfüllt, die wir noch nie zuvor gespürt haben, so sehr lässt sie uns aber auch an unsere Grezen stoßen. Es sind jedoch Grenzen, die uns wachsen lassen, uns stärken, uns intensiver fühlen und empathischer werden lassen, die uns in Selbstreflexion schulen, uns achtsamer mit uns selbst und unseren liebsten Mitmenschen umgehen lassen. Wir lernen uns nochmal ganz neu und ganz anders kennen und lieben und halten irgendwie noch stärker zusammen. Am Ende sind wir also wahrscheinlich doch eine happy peppy family. Und wir lieben sie!

2 Comments

  • Liebe Julia,
    für mich persönlich ist das der schönste, ehrlichste, Bericht seit langem. Ich finde mich da sehr stark drin wieder.

    Klar, wir lieben Mats unendlich und dennoch gibt es Tage, da sind die Grenzen so stark, die Mauern so hoch, die Konflikte so unlösbar. Da ist der Streit schon vorprogrammiert. Mit Andreas, aber mittlerweile eben auch mit Mats. Der mit seinen fast 5 Jahren eben auch schon seine eigene Sichtweise hat, aber oft in einer Blase der Gegühle und Emotionen steckt, wo er dann nicht alleine rauskommt.

    Ich schweife ab, ich danke dir für diesen tollen Beitrag – jede Familie, die wirklich eine sein möchte, ist auf ihre Weise Happy-peppy!

    Liebe Grüße, Yvonne

  • Danke für diesen Blogeintrag, ich fühle mich im Internet allzu oft erschlagen von den ganzen Happy Family Geschichten und frage mich oft, was mit mir und meiner Familie eigentlich falsch ist 🙁 Meine Tochter ist jetzt 5 Monate alt, sie hat die ersten zehn Wochen durchgeschrieen und ist auch jetzt noch alles andere als pflegeleicht. Bei aller Liebe – das ist anstrengend, geht an meine Substanz und an die meiner Ehe … Danke deshalb für die ehrlichen Wort!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.