loslassen bedeutet, loszulassen

loslassen3ALLTAGSGESCHICHTE Erst gestern war sie noch ein Baby und lag stillend in meinem Arm. Im Moment wird mir aber Tag für Tag deutlich, wie groß unsere Frieda inzwischen geworden ist. Aus Kindern werden eben Leute und das alles geht tatsächlich ganz schön schnell. Ich gehöre wahrscheinlich eher zu den Mamas, denen das Loslassen des kleinen Lieblingsmenschen schwerer fällt. Am liebsten wäre ich immer und überall dabei, würde sie stets und ständig begleiten, sie in schwierigen Situationen unterstützen und ihr zur Seite stehen. Am liebsten. Nicht, weil ich ihr nichts zutraue oder ihr nicht genügend vertraue, sondern eher weil ich gerne selbst alles im Blick und alles „under control“ haben mag. Vertrauen, dass es eine andere (Bezugs-)Person zwar anders, aber trotzdem auch gut macht. Weil ein Kind aber nicht nur feste Wurzeln braucht, sondern eben auch Flügel, lasse ich unsere Frieda natürlich doch in die große weite Welt los. Zu viel festzuhalten hemmt die Entwicklung. Dabei gehe ich also manchmal auch über meine Grenzen, wachse aber enorm daran. Ich wachse mit ihr mit. Zum Glück muss man als Eltern immer nur Stück für Stück loslassen und nicht auf einen Schlag. Es sind nur klitzekleine Schrittchen und doch passiert es, dass es sich für mich als Mama wie der Sprung eines Olympioniken anfühlt. So wie am vergangenen Samstag, als wir seit längerem Mal wieder Pferdeduft in der Nase hatten.

Loslassen heißt, nicht festzuhalten

loslassen1Frieda mag Pferde ja total und war im letzten halben Jahr regelmäßig in der Kinderreitstunde eines Reiterhofs. Da wir nun bald auf die andere Rheinseite unserer schönen Domstadt ziehen, haben wir uns auch in Sachen Reiten umorientiert und sind jetzt auf einem ganz tollen Hof gelandet. Bisher ritt unser Mini-Menschen-Mädchen auf kleinen Ponys, die von den Eltern geführt wurden. So hatten wir nicht nur das Pony selbst im Griff, sondern auch noch eine „rettende Hand“ in Friedas Nähe. Diesmal war es aber anders. Diesmal saß Frieda ganz allein auf diesem großem Pferd, das longiert wurde. Wir hielten sie nicht fest und wir hielten auch das Pferd nicht fest. Frieda strahlte bis über beide Ohren. Sie strahlte mit der Sonne um die Wette und war so stolz und so groß und so unendlich glücklich. Und sie wollte tatsächlich Traben. Mein Herz rutschte in die Hose. Am liebsten hätte ich ihr höchstpersönlich davon abgeraten, doch natürlich hielt ich mich zurück. Guido und ich schauten uns fassungslos an und lachten laut. Bei mir kullerte sogar eine klitzekleine Träne. Voller Stolz und Wehmut. Meine Gefühle fuhren Achterbahn. Dieses kleine-große Mädchen. Und in diesem Augenblick wurde mir klar, dass loslassen bedeutet, auch wirklich wortwörtlich loszulassen. Erst gestern war sie noch ein Baby und lag stillend in meinem Arm, jetzt trabt sie Runden auf einem großen Pferd. Das muss Mama erstmal verdauen.

„Wenn du dein Kind liebst, lass es los“

loslassen2Jeder von euch kennt wahrscheinlich den Spruch, dass man loslassen muss, wenn man das Kind liebt. Oder besser weil man es liebt. In kleinen Schritten sind irgendwann Selbstständigkeit und Unabhängigkeit von Mama angesagt und das ist natürlich auch gut so. Für uns Eltern bedeutet das oft ein Balanceakt zwischen Sorge und Vertrauen. Aber Mini-Menschen-Kinder brauchen nunmal die Freiheit, um zu wachsen und uns Eltern muss klar sein, dass wir die Zeit nicht anhalten können. Im Buddhismus heißt es, dass das Loslassen der Weg zum Glück sei. Für mich ist das definitiv eine der größten Herausforderungen als Mama. Trotzdem freuen wir uns sehr auf die nächste Reitstunde, in der unsere Frieda wieder auf diesem großen Pferd ihre Runden Traben wird. Glücklich, lachend, stolz und wie eine Große.

Welche Situation war bisher das schwierigste Loslassen für dich? Wie geht es dir mit dem Loslassen? Was hilft dir dabei?

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