kinder und das liebe essen

ALLTAGGESCHICHTE Wahrscheinlich macht ihr euch auch immer mal wieder viele Gedanken um die Ernährung eurer Kinder, oder? Für mich ist es auf jeden Fall gerade wieder ein großes Thema, da ich mit der Essenssituation in Friedas KiTa nicht so ganz glücklich bin. Es kommen bei mir viele Fragen auf, die nicht nur den Umgang der KiTa mit den Ernährungsgewohnheiten der Kinder, sondern auch unsere Mahlzeiten hier zu Hause betreffen. Müsste oder sollte ich unserer Frieda nun das sechste Weingummi lieber verbieten? Hatte sie nicht schon genug Süßkram heute und sollte ich deshalb nicht besser von ihr verlangen, dass sie mehr gesunde Lebensmittel isst? Was ist, wenn unsere Frieda zum Abendessen wieder nur trocken Nudeln ohne Soße essen möchte oder zum dritten Mal in dieser Woche nach Fischstäbchen „schreit“? Und was, wenn sie Gemüsesorten oder ganze Mahlzeiten gar nicht erst probieren möchte oder behauptet nach drei Bissen bereits satt zu sein. Kinder, die alles mögen und auch die exotische Gemüsesorte nicht verschmähen, sind unter Müttern oft ein Indiz für „alles richtig gemacht!“. Isst dein Kind nicht alles, hast du als Mama wohl was falsch gemacht, versagt oder kannst nicht kochen… Dabei ist die kindliche Ablehnung vieler Gemüsesorten ja bekanntlich eine angeborene Vorsichtsmaßnahme, die sich im Laufe der menschlichen Evolution entwickelt hat. Was also, wenn dein Kind ein mäkeliger Esser ist und am liebsten nur Süßes isst? Was macht man da als Mama? Einmischen oder vertrauen? Laufen lassen oder steuern? Was ist richtig, was ist falsch?

natürliches Essverhalten der kinder

An einem Punkt gibt es für mich keinen Zweifel: Ein intuitives, natürliches, normales und angeborenes Essverhalten ist uns allen in die Wiege gelegt worden. Vielen Erwachsenen ist das natürliche Hunger- und Sättigungsempfinden im Laufe der Jahre allerdings abhanden gekommen. Den meisten von uns wurde es durch fix vorgegebene Essenszeiten und Sätze wie: „Hier am Tisch wird von allem probiert“, „Erst wenn du aufgegessen hast, darfst du aufstehen“ oder „Iss deinen Teller leer“ aberzogen. Ich selbst habe meine angeborene Intuition ebenfalls verlernt und arbeite phasenweise (mal mehr, mal weniger) daran mein Essverhalten zu verändern und somit meinen Körper in einen Wohlfühlkörper zu verwandeln. Wer meinem Blog schon länger flogt, weiß, dass ich da noch keine langfristige Lösung für mich gefunden habe. Gerade aus diesem Grund ist es besonders spannend für mich, dass unsere Frieda einen sehr normalen Umgang mit Essen hat. Kinder merken eben intuitiv, wann sie Hunger spüren und essen müssen. Sie wissen, was sie brauchen und wieviel. Wir Erwachsenen treffen zwar grundsätzliche Entscheidungen über die Lebensmittel, die wir einkaufen, aber sollten unseren Kindern und ihrem intuitiven Essverhalten viel mehr vertrauen und ihnen diese Kompetenz zuschreiben. Das Kind ist nunmal der Experte für seinen eigenen Körper und sollte diesbezüglich Selbstbestimmung leben dürfen. Wir sollten froh sein, dass unsere Kinder das so toll können und sollten alles dafür tun, dass sie es beibehalten und es ihnen nicht aberziehen…

Essenszeit – alle an einem Tisch

Ja, klar. In unseren erwachsenen Köpfen ist es natürlich schön und eine pure Idylle, wenn die ganze Familie total einträchtig und friedlich am Familientisch sitzt, über den Tag plaudert und dabei die gemeinsame, gesunde, ausgewogene Mahlzeit isst. Juhuuu! Was für ein Traum. Wenn wir nun aber doch wollen, dass jedes Familienmitglied intuitiv isst und ziemlich sicher nicht alle gleichzeitig Hunger verspüren, ist die Idylle mit einem Knall zerstört. Das muss natürlich nicht sein! Wir können uns ja am gemeinsamen Frühstückstisch treffen, so eine Art offenes Angebot eben und jeder isst, was er will und wieviel er will – wenn er überhaupt will. Und wenn jemand mal keinen Hunger hat, dann sitzt er vielleicht (hoffentlich) trotzdem gerne mit den anderen am Tisch, aber eben ohne etwas zu essen. Geht ja auch. Gelebte Freiheit und pure Selbstbestimmung. Das Ritual des Zusammenkommens hat doch definitiv nichts damit zu tun, was und wieviel einzelne Familienmitglieder essen. Das Beisammensein ist schön und wichtig, das Essen sollte Nebensache sein. Und wenn man jeglichen Druck, der die Atmosphäre am Tisch sehr belasten würde, komplett rausnimmt, fangen die Kinder irgendwann freiwillig an, verschiedene Lebensmittel zu probieren – der eine früher, der andere eben später. Zugegeben: beim Süßigkeitenkonsum kann ich mich noch nicht immer so ganz frei davon machen wieviel „gut“ und „schlecht“ ist. Still in progress 🙂

Wie macht ihr das? Vertrauen oder steuern? Eingreifen oder lassen? Selbstbestimmt essen oder lieber ein ausgewogenes Essverhalten anerziehen? Alle essen gemeinsam was auf dem Tisch landet oder gelebte Freiheit?