erwachsene ordnung im kopf

Immer mal wieder erwischte ich mich dabei, dass ich unserem Mini-Menschen-Mädchen gerne erklären oder zeigen wollte, wie das Spiel richtig funktionierte. Was sie laut den Spielregeln machen musste, dass wir nacheinander dran waren und sie nicht so oft würfeln durfte, wie sie wollte. Ich wollte ihr vermitteln, wo die Plättchen beim LÜK-Kasten hingehörten, dass die beiden herausgefischten Memorykarten nicht so recht zusammenpassten und der Elefant der Bilderkette auf dem Kopf stand. Beim Ausmalen im Malbuch oder beim freien Malen mit Wasserfarben das Gleiche. Eine andersfarbige Maus oder eine gelbe Wiese? Nein, für mich undenkbar. Ganz automatisch unterschied meine erwachsene Ordnung im Kopf ein „richtig“ von einem „falsch“ und irgendetwas in mir wollte ihr mein Richtig und Falsch aufdrängen. Und das hat ganz sicher nichts mit meinem Beruf als Lehrerin zu tun.

Es passiert vielen Eltern immer wieder, ohne dass sie das eigentlich wollen. Irgendwie kommt es aus dem Bauch heraus, unüberlegt, automatisch und impulsiv. Zum Glück wissen wir natürlich, dass jeder Versuch einem so jungen Mini-Menschen-Kind etwas beizubringen und ihm dabei von außen etwas überzustülpen, in den meisten Fällen die innere Lust am Lernen behindert. Es betäubt die Freude am Entdecken, die Kreativität und auch die Fantasie. Und wenn wir dann auch noch zusätzlich erklären, warum dies und jenes so oder so funktioniert, dann wirft das Mini-Menschen ganz schnell die Sachen hin. Zu recht. Das Beste für unsere Mini-Menschen-Kindern sind einfach freie, unbekümmerte und ungelenkte Spiele. Diese einfach mal „laufen lassen“, in das Spiel einsteigen und sie machen lassen. Auch bei Gesellschaftsspielen! Klar, irgendwann werden Spielregeln zunehmend wichtiger. Und nicht nur Spiele haben Regeln, sondern unsere ganze Welt, unser menschliches Zusammenleben. Die Welt funktioniert eben nicht wirklich ohne. Die KiTa nicht, die Schule nicht und das Leben  nicht. Diese „Erkenntnis“ aber, dass ein Memoryspiel vielleicht gar keinen Spaß macht, wenn man einfach die Karten irgendwie zusammenlegt oder den Mitspieler beim UNO nie zum Zuge kommen lässt, entwickelt sich sicher von ganz alleine und braucht nicht in der frühen Kindheit bereits unser reglementierendes Einwirken und Erklären.

Ich für meinen Teil bin jedenfalls inzwischen viel sensibler und achtsamer geworden. Wir spielen ganz viel nach Friedas Vorstellungen, nach ihrer Fantasie und ihren Ideen. Auch, wenn ich wieder das fünfte Mal in Folge nicht mit dem Würfeln dran bin, unser Mini-Menschen-Mädchen direkt mal zwei Teile einpuzzelt. Und wenn Frieda und ich dann wieder einmal gemeinsam an ihrem Tisch sitzen und in ihren Malbüchern die Maus und den Elefanten ausmalen, dann bemerke ich, dass ich die Maus niemals in einer anderen als in ihrem typischen Orange-Braun ausmalen würde, Frieda aber lasse ich natürlich die Freiheit und somit ihrer Fantasie freien Lauf. Dann haben wir eben Pinke Mäuse.

Ich glaube, das ist so wichtig! Was denkt ihr darüber? Spürt ihr in euch auch diesen Drang Spiele erklären zu wollen, nach festen Spielregeln zu spielen?

1 Comment

  • Ich halte freies Spielen und kreatives Ausprobieren nach den eigenen Vorstellungen für unglaublich wichtig, um Kreativität, Ideenreichtum und den Glauben an sich selbst erleben zu dürfen. Wie du richtig gesagt hast, Regeln bestimmen unser Leben früh genug. Ich glaube jedoch, dass es daher Sinn macht, dies genauso früh zu üben wie die anderen Dinge. Und wenn nicht spielerisch, mit der ungefährlichen Möglichkeit sich als Kind auch mal darüber ärgern zu dürfen, wann dann? Meiner Meinung nach sollte es Zeiten geben mit und Zeiten geben ohne konkrete, in eine Richtung weisende Regeln. Im Laufe des Älterwerdens wird es für ein Kind immer schwerer zu verstehen, warum nun plötzlich nicht mehr alles so läuft, wie es mag, warum es nicht mehr 2x würfeln darf oder so viele Felder gehen kann, wie es will. Was nicht heißt, dass nicht einfach neue Regeln für ein Spiel vereinbart werden können. Müssen sich nur alle dran halten. Ich liebe es mit Farbe zu schmieren, lila Mäuse mit Punkten sind super, aber ich mag auch ein ganz klassisches Memoryspiel 😉

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