kinderhaben verändert

verändert1ALLTAGSGESCHICHTE Zerbrechen nicht viele Partnerschaften dann, wenn man eine Familie gegründet hat und Kinder dazugekommen sind? Ich habe keine Statistiken ausgewertet und kenne mich nicht wirklich aus, aber es ist so mein Gefühl. Paare trennen sich, weil es mit Kindern anders ist. Anders als gedacht. Obgleich Guido und ich uns auch nicht darüber bewusst waren wie anstrengend und kräftezehrend die allererste Zeit mit Frieda sein würde, hat uns dieses erste krasse Jahr allerdings, so glaube ich, am Ende doch noch näher zusammengebracht. Sie schweißt zusammen. Es ist nicht unbedingt die Säuglingszeit, die zu Trennungen führt, sondern etwas anderes ist entscheidend. Mit Kindern wird man nämlich anders. Als Eltern verändert man sich im Laufe der ersten Jahre mit Kindern drastisch, finde ich. So drastisch, dass sich nicht mehr diese beiden Menschen begegnen, die sich vor etlichen Jahren einmal so sehr ineinander verliebt haben. Die Veränderungen kommen natürlich nicht plötzlich von einer Nacht auf die andere, sondern es passiert schleichend. Veränderungen am Körper, im Geist und in der Seele. Und viel mehr als die Männer trifft es uns Frauen, so möchte ich jedenfalls behaupten. Aus dem Verliebtsein muss Liebe werden, man muss sich und den Partner mit all‘ seinen Veränderungen annehmen. Oft sind es die Eigenschaften, in die man sich beim Partner verliebt, die man dann wiederum als erstes ziemlich abtörnend findet.

Kinderhaben verändert den Körper

verändert2Der Körper der Frau verändert sich. Eine Schwangerschaft bleibt eben eine Schwangerschaft. Obgleich ich selbst immer schon mopsig und niemals richtig schlank war, ist mein Körper durch die Schwangerschaft schon auch nochmal unförmiger und weicher geworden. Mein Körper passte zwar noch nie (oder nur in ganz seltenen Phasen) in das gesellschaftliche Raster eines schönen, schlanken und trainierten Menschen, aber jetzt tut er das noch viel weniger. Es ist nicht unbedingt so, dass ich jetzt hemmungslos esse und eine Egal-Haltung einnehme, aber das äußerliche Erscheinungsbild ist mir persönlich nun noch etwas unwichtiger als früher geworden. Ich muss nicht anderen Menschen gefallen, nur ich selbst muss mich in mir wohl fühlen. Klar, so manchmal schaue ich in den Spiegel und bin ganz unglücklich mit meinen Körper. Ein paar Kilo weniger wären mal wieder ganz gut. Ich packe es aber an, wenn für mich der Zeitpunkt gekommen ist. Nicht, für meinen Partner, nicht um Lob und Anerkennung für meine Abnehmleistung zu bekommen. Dies soll übrigens nicht bedeuten, dass all‘ die schlanken Mamas, die sehr auf ihre Ernährung achten, gerne Sport treiben und schnell wieder in ihre Vor-Schwangerschaftshosen passen, oberflächliche Menschen sind. Das meine ich nicht. Wichtig finde ich nur, dass man auf sich selbst hört und es aus dem eigenen Antrieb heraus macht und nicht, um schön und schlank in die Gesellschaft zu passen. Und dass man sich annimmt. Seinen veränderten Körper, wie auch sein verändertes Fühlen und Denken. Das ist aber nicht immer leicht, auch nicht für den Partner. Sind Frauen in einem unförmigeren Körper vielleicht dann für den eigenen Mann nicht mehr so attraktiv?!

Kinderhaben verändert Geist und Seele

verändert3Aber nicht nur der Körper verändert sich bei den meisten Frauen. In meinen Augen ist das Entscheidenste aber die Veränderung des Wesens, wenn Frauen zu Mamas werden. Mit der kinderlosen Julia von vor fast 4 Jahren habe ich jedenfalls kaum mehr was gemeinsam. Ich bin ein ziemlich anderer Mensch geworden. Wenn ich mir mein früheres Ich einmal so aus der Vogelperspektive anschaue, dann war ich schon eine mega coole Type. Ich ging gerne auf Partys, trank auch mal ein Mojito zu viel, zog mit Guido bis spät in die Nacht durch die Kölner Kneipen, war oft im Kino, jung und flexibel war ich stets und ständig von vielen Leuten umgeben und betrieb viel Socialising. In den letzten Jahren begann dann aber ein Prozess in mir und der hat mich persönlich enorm verändert. Seit dem unsere Frieda in unser Leben kam, weiß ich, was für mich wirklich wichtig ist. Bedingungslose Liebe, Vergebung, Wertschätzung und echte Dankbarkeit. Ich bin offen, ehrlich, zeige gerne meine sensible Seite und Gefühle. Dafür schäme ich mich nicht mehr. Ich bin gefühlvoll und empathisch, interessiere mich nicht mehr so sehr für belangloses Zeug, nicht für oberflächliches Socialising und Smalltalk. Endlich kann ich mich besser annehmen und mir selbst achtsam begegnen. Ich rausche nicht über meine eigenen Bedürfnisse hinweg, sondern spüre sie, spüre mich. Das hat natürlich zur Folge, dass es nicht mehr so viele oberflächliche Kontakte in meinem Leben gibt. Es sind sehr wenige, aber aufrichtige Freundschaften mit lieben Menschen geblieben. Für mich ist Arbeit jetzt Arbeit und nicht mehr mein Lebensinhalt. Ich definiere mich nicht mehr so sehr über das was ich jeden Tag in der Schule leiste und wieviel Anerkennung ich von Vorgesetzten und Kollegen ich bekomme, sondern viel mehr darüber wer ich wirklich bin. Ich spiele keine Rolle mehr und lebe kein oberflächliches Miteinander. Ich bin irgendwie jetzt endlich ich geworden und kann sein, wie ich bin. Das fühlt sich für mich einfach wundervoll an. Aber empfinden das die Menschen um mich herum mich auch so? Nicht alle Freunde und Bekannte konnten mit meiner Veränderung jedenfalls umgehen. Und was ist mit einer Partnerschaft? Die Ansprüche an einen selbst und an den Partner sind hoch und Frauen sind – zum Glück – dieser Tage unabhängiger vom Mann und wagen schneller als früher den Schritt der Trennung, wenn sie sich nicht wohl in der Beziehung fühlen. Vielleicht aber geben manche manchmal auch zu schnell auf und sollten etwas mehr für sich kämpfen? Keine Ahnung. Man muss sich nicht mit dem Partner verändern, aber man muss Veränderungen des Anderen annehmen und in Bewegung bleiben (wollen). Das Leben zeichnet uns und unser Wesen sowieso. Kinderhaben verändert noch viel mehr. Prioritäten verschieben sich, andere Dinge sind wichtig im Leben als bei kinderlosen Paaren. Partnerschaften müssen sich mit uns verändern, sonst könnten sie zerbrechen.

Was hat sich bei dir am meisten verändert seit dem du Kinder hast? Körper, Geist oder Seele? Gibt es etwas, was bei deinem Partner grundlegend anders geworden ist? Findest du die Veränderungen an dir oder deinem Partner durchweg positiv?

5 Comments

  • Ein sehr schöner Artikel! Ich muss sagen, dass sich meine Seele und mein Geist am
    meisten verändert hat seitdem ich Mutter bin. Gerade weil mein Wochenbett nicht einfach war, habe ich mich auf die Suche begeben und immer mehr festgestellt, dass die Kinder einem die eigene Kindheit noch einmal durchleben lassen und man viele Wunden der Vergangenheit heilen kann indem man sich gnadenlos mit sich selbst auseinandersetzt.

    Liebe Grüße
    Miriam von How I Met My MomLife

  • Gefühlt habe ich mich irgendwie total verändert. Körper, Geist, Seele und auch die Partnerschaft. Nicht nur mit dem leiblichen Kind, auch die Pflegschaft meines großen hat mich verändert. Im Urlaub nannten mich viele Marokkaner dieses Jahr „Löwenfrau“. Sie meinten es wegen den Tattoos, mein Mann sagte dann immer „wenn du wüsstest wie recht du hast“. Meine Kinder haben mich zur verletzlichsten und zur stärksten Jessica werden lassen, die ich ohne niemals geworden wäre…

    Und was ganz wichtig ist: vergessen wir nicht als Eltern: wir sind die Basis (diesen Artikel verlinke ich dir gerne statt meiner Webseite).

  • Das mit der Arbeit habe ich auch genauso erlebt! Die Bedeutung des Arbeitslebens wird total relativiert und das hat mir gut getan, finde ich. So mache ich mir nur noch über die wirklich wichtigen Dinge einen Kopf und nicht über jedes Komma.

  • Der körper hat sich deifinitiv geändert. und das nicht wenig. Aber ebenso natürlich hat sich auch die Partnerschaft geändert. Klar mit, bei uns mittlerweile 3,Kindern ist es einfach nicht so wie früher. mal eben schnell ins Kino oder Essen gehen muss vorher bestens geplant werden und kommt daher auch leider viel, viel zu kurz. Aber es kann nur besser werden 😉 Jetzt hat der kleine zum ersten Mal mit bei der Oma geschlafen, was wir gleich ausgenutzt haben und erst in der Therme und dann essen waren 🙂

  • Mich hat das Mutter werden von Grund auf verändert. Positiv und negativ. Er dem Blog von Anfang an folgt, kann die Veränderung schrittweise nachempfinden… Äußerlich sieht man die Narben der Schwangerschaften, innerlich habe ich einige Narben in der Seele… Es ist nicht gerade leicht. Und natürlich hat sich mein Mann auch verändert. Und seine Perspektive… Er ist ruhiger, geduldiger, nicht mehr so jähzornig. Und hat den Stellenwert von Familie erkannt. Wir haben schon einiges durch nun… Eltern sein bedeutet eine stetige Wandlung… Die ständige Reflexion und Verantwortung ist sehr anstrengend und raubt ganz viel Kraft. Seit ich Mama bin, bin ich unglaublich müde und erschöpft.

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