angst überwinden macht stark

angst1ALLTAGSGESCHICHTE Manche von euch hatten es ja vielleicht auf Instagram mitbekommen. Unsere Frieda wurde am vergangenen Samstag beim Tag der offenen Tür unseres Reitstalls von ihrem Lieblingspony gebissen. Ich kann euch gar nicht sagen, wie das genau passierte. Alles ging rasend schnell und ich war direkt daneben. Einige Besucher des Reitstalls standen um den Paddock der Ponys, die Kinder streichelten die Tiere durch den Zaun. Auch unsere Frieda war wieder ganz entzückt von „ihrem“ Balthazar und hielt ihm – wie sonst immer – die flache Hand hin. Er leckte diese liebevoll ab. Ebenfalls wie immer. Plötzlich verzog unsere Frieda das Gesicht und ich sah, dass ihre Hand für einen Bruchteil einer Sekunde im Pferdemaul war. Viele tonlose Tränen, dann lautes Weinen. In Windeseile verließen wir den Reitstall und ließen Friedas liebe Freundin und ihre Mutter zurück, denn unser Mini-Menschen-Mädchen war kaum zu beruhigen. Der Finger dick mit leichter Schürfwunde, der Schock war aber am größten. Obgleich ich uns auf den ersten Blick bereits im Krankenhaus sitzen sah, stellte sich zu Hause heraus, dass eine Notfallbehandlung nicht nötig war. Neben dem dicken Finger, der natürlich noch die ganze Woche etwas schmerzte, blieb aber nun doch auch etwas Angst zurück. Frieda wollte nicht mehr zum Reitstall.

Unsicherheiten gehören zum Leben

angst2In dieser Woche äußerte unsere Frieda also immer mal wieder, dass sie nicht mehr zum Reiten wolle. Es war definitiv keine lähmende Angst, keine mit Kontrollverlust und auch keine Angst vor etwas Ungewissem so wie vor Trennungen oder Veränderungen. Das hier war anders. Sie hatte (so glaube ich) schlichtweg Angst, nochmal gebissen zu werden, konnte ihre Bedenken aber nicht selbst greifen oder gar in Worte fassen. Für sie stand nur fest, dass sie nicht wieder zum Reitstall könne, denn ihr Finger sei eben noch verletzt. Wie begegnet man dem als Eltern denn jetzt? Das Reiten nun einfach abbrechen? Vielleicht nie wieder hinfahren und die Angst bleiben lassen? Das kam für uns nicht in Frage. Zumindestens nicht ohne es versucht zu haben. Unsicherheiten und Angst gehören zu unserem Leben nämlich dazu. Angst ist eigentlich erstmal gut, denn sie schützt uns ja vor potentiellen Gefahren, bremst uns aus und lässt uns vorsichtiger werden. Wenn Kinder ihre Ängste aber überwinden, wachsen sie über sich hinaus, sie entwickeln ein gesundes Selbstbewusstsein und sie können dadurch zu einer glücklichen und selbstsicheren Persönlichkeit heranwachsen. Diese Angst vor dem Reitstall, vor der Begegnung mit den Ponys und der Angst vor einem erneuten Biss, sollte sich unsere Frieda stellen. Wir wollten sie nicht vor der Angst schützen, sondern sie mit ihrem Gefühl intensiv begleiten. „Wir schafften das zusammen!“

bedürfnisorientiert Angst überwinden

Wie ihr euch sicherlich vorstellen könnt, warfen wir unsere Frieda natürlich nicht ins kalte Wasser, sondern versuchten ihrer Angst bedürfnisorientiert zu begegnen. Wie immer im Zusammenleben mit Menschen gibt es hier ja keine allgemeine Lösung, die bei allen funktioniert. Die ganze Woche über sprach ich mit unserem kleinen Lieblingsmenschen immer wieder über den Vorfall. Ich nahm ihre Angst wahr und sprach die Worte aus, die Frieda nicht fand. Wir spielten das Szenario aber auch im Rollenspiel oder mit den Playmo-Figuren nach. Natürlich war das von mir eingeleitet, klar, aber für unsere Frieda scheinbar goldrichtig. Das Mädchen, das sie dann spielte, konnte die Unsicherheiten jedenfalls sehr gut formulieren. Und obgleich wir auch darüber sprachen, dass „Balthazar“ sie niemals mit Absicht gebissen haben wird, sondern in ihrer Hand lediglich Futter vermutete, blieb Frieda dabei. Sie wollte nicht zum Reitstall. An diesem Morgen glaubte ich zwar, dass meine Worte im Nichts verhallen würden, aber ich versuchte es. Sicherlich wäre es nicht das letzte Mal gewesen, auch wenn es sich für mich so anfühlte. Dann zogen wir zwei plötzlich doch los und nahmen es mit Friedas Angst auf. Also, sie nahm es mit der Angst auf und ich war ihre sichere Begleitung, ihr Hafen, ihre Stütze.

Und bei unserer Ankunft am Reitstall heute Nachmittag war mein Herz dann noch mehr als sowieso schon voller Stolz, voller Kraft und voller Liebe. Unsere Frieda fiel „ihrem“ Balthazar nämlich förmlich um den Hals, streichelte und küsste ihn, ließ sich von ihm im Nacken beschnuppern und hielt ihm – wie ganz selbstverständlich – die flache Hand hin, die er so liebevoll ableckte wie sonst auch immer. Die Angst war sofort wie weggeblasen. Dabei sind die wundervollen Bilder in diesem Beitrag entstanden. Heute ist unsere Frieda jedenfalls nochmal ein ganzes Stück größer geworden, ist über sich hinaus gewachsen und hat ihre Angst überwunden. Mit mir gemeinsam und doch ganz alleine.

Haben eure Kids Ängste? Wie geht ihr mit ihnen um?

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