mein kind ist das Schlauste!

ALLTAGSGESCHICHTE Wir alle lieben unsere Kinder. Sie sind die größten Geschenke unseres Lebens und durch sie haben wir wohl erst erfahren, was bedingungslose überhaupt bedeutet. Wir sehen sie mit verliebtem Blick an und finden, dass sie die schönsten und tollsten Kinder der Welt sind. In unseren Augen funkeln Sterne heller als am Himmelszelt, wenn unsere Kinder das erste Mal Lachen, das erste Mal laufen und das erste Wort sprechen. Wir bewundern, wie schlau diese kleinen Lieblingswesen sind, was sie für eine besonders große Auffassungsgabe haben und wie schnell sie neue Dinge begreifen und lernen. Wir sind unendlich stolz auf unsere Kinder, lieben es ihnen beim Wachsen zuzusehen und sie auf ihrem Weg intensiv zu begleiten. Das hat die Natur sich ziemlich gut überlegt und wunderbar eingefädelt. So soll es sein und so muss das sein. Daran gibt es keinerlei Zweifel und daran will dieser Beitrag auch nicht rütteln.

Vergleichen – verpönt und doch normal

Auch wir lieben unser Kind unendlich und staunen selbst immer wieder, was dieses hübsche Wesen so alles lernen will und lernen kann. Obgleich wir alle wissen, dass man Kinder in ihrem Können nicht untereinander vergleichen sollte und unsere Kinder alle Zeit der Welt haben, um sich in ihrem ganz persönlichen Tempo zu entwickeln, erwischt man sich ja doch beim Vergleichen – zumindestens bei den gesellschaftlich sehr anerkannten Entwicklungsschritten. Sei es, dass das Kind schon mit 10 Monaten laufen kann, viel früher trocken ist als viele andere Kids, dass es mit 3 Jahren schon  locker bis 100 zählen kann oder dass es schon komplizierteste Fischertechnik bauen kann. Auch ich kann mich nicht immer ganz frei machen von dieser Sicht und erwische mich manchmal dabei, dass ich ganz begeistert von Friedas Kenntnisse zur Buchstaben-Laut-Zuordnung erzähle und dann selbst merke, dass es für den Gegenüber auch ganz schön überheblich klingen könnte. Und das, obwohl es gar nicht so gemeint ist, sondern ich einfach nur ganz verliebt und begeistert auf dieses Kind schaue und meine Begeisterung mit der ganzen Welt teilen möchte. Natürlich rede ich auch nicht mit jedem über unsere Tochter und erst recht über ihre Auffassungsgabe und ihren Wissensdrang, aber es kommt eben vor. Und dann entsteht fast automatisch eine Art Vergleich mit anderen Kindern – ohne dass es irgendwer explizit ausspricht. Vergleichen ist zwar verpönt, aber auch ein bißchen normal. Wir Menschen kategorisieren eben, ordnen ein, legen Tabellen an und werten diese dann aus. Das ist auch Menschsein. Und obwohl ich Friedas Pfiffigkeit total liebe und es so großen Spaß macht mit diesem wissbegierigen und lernmotivierten Kind durch das Leben zu gehen, würde ich niemals von einer Unterforderung sprechen. Das scheint mir aber bei vielen Leuten leider der neuste Trend zu sein.

Das unterforderte kind – Ein Trend?

In meiner Internet-Mama-Blase ist es zum Glück nicht so, im Bekanntenkreis allerdings schon eher. An einigen Ecken höre ich, dass Kinder in der Kita oder in der Schule unterfordert seien. Sie seien besonders begabt und würden sich schnell langweilen. Oft sind das leider lediglich die Eindrücke der Eltern und nicht die der Pädagogen. Kinder sollen wider ihrer sozial-emotionalen Reife früher als nötig eingeschult werden. Obgleich ich mich von Vergleichen und einem begeisterten Blick auf unsere Tochter natürlich nicht ganz freimachen kann, finde ich diesen ganzen Unterforderungsgedanken so richtig bescheuert. Sorry! Ich weiß gar nicht mehr, was ich erwidern soll. Wir alle haben doch tolle Kinder, aber alle wollen noch tollere, noch schönere, noch schlauere und noch bessere. Am liebsten hätten sie alle ein hochbegabtes Kind.

Kennt ihr das aus eurem Bekanntenkreis oder geht es nur mir so? Wie sind eure Gedanken dazu? Gibt es wirklich so viele unterforderte Kinder?

 

7 Comments

  • Moin.
    Habe auch schon auf Fatzebuck ein wenig geschrieben…
    Unsere Tochter wurde in einer Reihe von verschiedenen Testungen u. a. auch als sehr intelligent getestet. Heißt aber im Umkehrschluss nicht, dass sie hochbegabt ist. Sie hat eben eine hohe Auffassungsgabe und sonst ist sie ein genauso anstrengendes Kind wie alle anderen auch. Sie will genauso mit dem Kopf durch die Wand, wie unsere anderen beiden Kinder. Ja ok, ihr fällt es nicht schwer die Hausaufgaben zu machen und ja, sie ist damit flott fertig. Aber ich gebe nicht mit meinem Kind an.

    Mein drumherum Geschreibsel soll nur einen Einblick geben. Ich möchte kein hochbegabtes Kind haben. Das bedeutet Mehraufwand, viel Stress und überhaupt.
    Die mir bekannte Familie stammt aus dem näheren Familienkreis. (erwähnte ich auf f-book)
    Wir dürfen unsere Kinder schlau finden, ja das gehört dazu. Für uns wird das immer so sein. Gott sei Dank sind alle Kinder unterschiedlich. Ich sehe das an meinen 3 Kindern immer sehr deutlich. 🙂 Unsere Zweite muss länger sitzen an den HA als die Große. Na und? Sie wird dennoch lesen, schreiben und rechnen lernen, nur eben in ihrem Zeitrahmen. Sie kann mittlerweile auch toll malen. Deswegen ist sie aber nicht besser als andere, ich freue mich nur, dass ich mehr erkennen kann und nicht mehr so viel raten muss. 🙂

    In diesem Sinne:
    Wir sollten uns sehr über unsere schlauen Kinder freuen und weniger uns über sie definieren!
    (auch wenn es manche nicht lesen werden, die es evtl. auch betrifft. 🙂 )
    Liebe Grüße,
    Yvonne mit ihrer schlauen Rasselbande 😉

  • Mir ist das auch schon oft begegnet, besonders bei Eltern eines Einzelkinds, vielleicht, weil es alle Erwartungen und Träume erfüllen muss (bitte nicht missverstehen! Es sind absolut nicht alle Einzelkinder so, nur da, wo ich diese Einstellung der Eltern erlebe, sind es welche, ich bin selbst Einzelkind)? Mir fehlt da persönlich das Verständnis, was daran so erstrebenswert sein soll, wenn ein Kind wirklich „hochbegabt“ sein sollte. Das ist ein schwieriger Weg. Dass man vergleicht, halte ich für normal und auch in gewissem Rahmen gesund. Ich gleiche auch grob ab, ob meine Kinder in ihrer Entwicklung „normal“ sind, also in einem Bereich weiter und im anderen etwas weniger weit, aber im gesunden Rahmen. Wenn mein Kind in allen von mir beobachteten Bereichen zurück wäre, wäre das ein Anhaltspunkt, Erzieherinnen und Kinderarzt anzusprechen. Was mich zusätzlich verwundert, ist, wie sich ein Kind in einem (guten) Kindergarten langweilen kann. Bei uns gibt es immer Projekte und Interessengebiete werden erkundet und generell wird ganz viel gespielt, besonders draussen und getobt. Wer mag, kann einen Musikkurs machen oder bei der Gebärdensprache mit machen. Meinem Eindruck nach gibt es bei einigen Eltern aber auch nur die Fähigkeiten, die auf den ersten Blick auffallen, wie frühes Interesse an Buchstaben oder wenn Kinder motorisch sehr weit sind. Ob das Kind vielleicht sozial oder emotional eher Durchschnitt ist, fällt ihnen nicht auf. Eine unserer Erzieherinnen sagte einmal, fast alle Kinder würden von einem Jahr mehr KiGa profitieren, „Lernen“ ist relativ und manch ein Kind braucht mehr Selbstbewusstsein oder muss noch Empathie lernen. Im Freundeskreis ist es übrigens so, dass sich alle für das Kind freuen, das etwas besonderes kann. Ob das nun Fahrradfahren mit 2 ist, Lesen mit 5 oder besonders niedlich und fröhlich sein mit 3, um es überspitzt zu formulieren. Unser Kleinster ist zum Beispiel relativ durchschnittlich in allem, würde ich sagen. Seine Erzieherin sprach aber an, dass er richtig spiele und Kontakt mit anderen Kindern aufnehme und eben da „auffalle“, weil er konzentriert spielt und sehr interagiert, eine Fähigkeit, auf die man sonst halt nicht so achtet. Dafür, dass er kleinkindig tapst und typisch 3-jährig spricht. Da war zum Beispiel unser erster sehr weit, also sprachlich, was uns aber gar nicht auffiel, nur seinem KiGa, wir machten uns dann beim Mittleren Sorgen, was wiederum weder KiGa noch Kinderarzt irgendwie auffällig fanden, er spreche wie ein normaler grade 3-Jähriger, da fiel uns erst auf, dass das perfekte, korrekte Sprechen des Großen mit grade 3 ungewöhnlich war, von seiner Begeisterung für Sprache ist übrigens wenig geblieben, er nutzt wenige Worte, während der Mittlere mit Sprache spielt und einen größeren Wortschatz hat. Was ich damit auch sagen will, alles verändert sich. Entwicklung geht mal schneller und mal langsamer.
    Schade finde ich, wenn Druck entsteht oder Eltern daraus einen Wettbewerb machen. Dieses Angeben und gegenseitig übertreffen wollen. Natürlich findet man sein eigenes Kind toll, schade, wenn nicht. Aber dennoch halte ich meine Kinder nicht für geniale Überflieger, sondern toll wie sie sind.

    Danke für den schönen Artikel!

  • Liebe Julia,
    ein schwieriges Thema, mit dem ich mich persönlich (zum Glück) noch nicht auskenne da meine Töchter noch so jung sind (beide noch nicht im Kindergarten) und ich weder selbst noch im Bekanntenkreis je gedacht habe, dass ein Kind unterfordert sei. Vielleicht ist das hier in Frankreich aber alles entspannter?

    Liebe Grüße

  • Du sprichst mir wieder mal aus der Seele, liebe Julia. Ich habe das auch schon öfter erlebt und es nervt mich total. Wenn es tatsächlich Hochbegabung ist (und das kenne ich von zwei Familien aus dem Bekanntenkreis), ist es eine echte Herausforderung und die Mütter geben zum Glück überhaupt nicht damit an, sondern erzählen mehr von den Situationen, in denen sie anstehen, das Kind aneckt oder es einfach keine passende schulische Lösung gibt, was sehr hart und für alle frustrierend ist. Bei den Eltern, wo ich das Gefühl habe, es ist nur Angeberei, höre ich deshalb einfach weg und lasse mich gar nicht auf Vergleiche ein. Ich denke mir dann meinen Teil einfach und lasse sie reden. Deine Einstellung wie oben beschrieben finde ich top! Mehr Eltern sollten so sein. Liebe Grüsse, Eliane

  • Ein paar vereinzelte Eltern in unserem Freundeskreis pushen ihre Kinder schon extrem. Aber ansonsten habe ich das Gefühl, dass viele Eltern mit den Stärken & Schwächen ihrer Kinder entspannt umgehen.

  • In unserem Umfeld gibt es zum Glück kaum Eltern, die das Können der eigenen Kinder extrem betonen :-). Und für mich kann ich sagen, dass meinem Großen ein Jahr mehr Kindergarten (er war ein Kann-Kind) sehr gut getan hat.

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