typisch lehrerkind!

ALLTAGSGESCHICHTE Neulich kam Frieda aus der KiTa nach Hause und berichtete uns wieder einmal aufgeregt von Kindern ihrer Gruppe, die Zahlen nicht in der richtigen Reihenfolge aufsagen oder den Schneemann von Anna und Elsa „Urlaub“ und nicht „Olaf“ nennen würden. Natürlich erklärte ich ihr wie eigentlich jedes Mal, dass viele Kinder in ihrer KiTa mit ihren Eltern eine andere Sprache sprechen und ihnen deutsche Zahlen und auch Namen eben nicht so leicht fallen würden, dass sie die Zahlen in ihrer Sprache aber ziemlich sicher perfekt können werden. „Macht nichts. Ich sage es ihr, wie es richtig heißt.“ war ihre Antwort. Als ich das meinen Lieblingskolleginnen erzählte, hörte ich unter Schmunzeln (und natürlich mit einem zwinkerndem Auge) ein „Typisch Lehrerkind!“. Ja, was ist denn nun dran an diesem Ausspruch? Gibt es DAS Lehrerkind und wenn ja, was macht ein Lehrerkind anders als andere Kinder? Sind das immer Typen, die alles besser wisse und können? Die, die andere verbessern? Und was machen die Lehrer überhaupt als Eltern so anders? Spannende Frage, der ich heute etwas auf den Grund gehen will. Ganz subjektiv natürlich, denn die andere Seite kennen wir nunmal nicht.

Sind Pädagogen die besseren Eltern?

Guido und ich sind beide Lehrer für Sonderpädagogik und trotzdem (oder gerade deshalb?) finde ich uns so ziemlich stinknormal. Bei uns zu Hause ist es meistens aufgeräumt, aber nie  sauber. Wir lieben uns und streiten uns. Wir spielen, lachen, lesen und singen genauso viel oder wenig wie andere Eltern und haben unsere Frieda auch nicht in Achtundzwölfzig Förderkursen angemeldet – ganz im Gegenteil – ihr hochsensibles Wesen würde ich damit eher überfordern als fördern. Zu Hause sind wir also in erster Linie einfach nur Eltern. Trotz der ganzen Pädagogik-Studiererei bin ich als Mama auch mal genauso überfordert und schwer genervt wie Eltern ohne pädagogischen Background und mache bei aller Liebe nicht immer alles richtig. Ja, vielleicht lese ich mal eher Literatur über Kinder (insbesondere hochsensible Kinder), Gesellschaft und bedürfnisorientierte Erziehung und tausche mich in Gesprächen mit Guido oder anderen Gleichgesinnten darüber aus. Durch unsere Berufe wird das Leben mit unserer Frieda aber nicht zwangsläufig anders oder einfacher als in anderen Familien, denn auch wenn in der Theorie manchmal alles ganz klar zu sein scheint, sieht das echte Leben mit Kind z.B. in der Autonomiephase eben ganz anders aus. Und dann sind Lehrer- oder andere Pädagogeneltern ja in der Schule oder KiTa ihrer eigenen Kinder auch nicht immer so beliebt. Woher kommt das denn? Sie hinterfragen Entscheidungen und haben für Konzeptansätze passende Gegenargumente. Sie analysieren vielleicht mehr als andere Eltern und wissen eben, was sie wissen, was sie wollen und ihr Kind können/erleben sollte. Ich versuche auf jeden Fall eine gute Mischung aus Bauchgefühl und Wissen in meine Beziehung zu Frieda einfließen zu lassen, aber eine Superpädagogin oder besonders streng und ehrgeizig bin ich beim besten Willen eben auch nicht.

Lehrer-Mama, der Drillinstructor ?

Böse Zungen behaupteten ja schon einmal, dass ich viel zu ehrgeizig sei, unsere Frieda mit dem Schleifebinden und dem Lauttieren sowieso maßlos überfordere, sie (bestimmt) zu irgendwas zwingen würde und sie unterm Strich deshalb viel zu wenig Kind sein dürfe. Sie könne für ihre 4 Jahre viel zu viel und das müsse einfach auf den falschen Ehrgeiz der Mama zurückzuführen sein. Klar, wenn es so wäre, würde ich es an dieser Stelle jetzt sicher nicht zugeben und einen Shitstorm ernten, doch mit ganz reinem Gewissen kann ich versichern, dass all‘ dieses Wissen und Können aus ihrem eigenen Antrieb kommt. Frieda übt und übt bis sie etwas kann. Ausdauernd und nur selten mit Wutanfällen. Schon seit einiger Zeit will sie Lesen können, schleift nun zuverlässig Laute zu Silben und manchmal auch schon Silben zu Wörtern. SIE WILL ES und natürlich bremse ich ihren Wissensdurst niemals, sondern füttere sie an dieser Stelle mit Lernmaterialien, die wir auch in der Schule benutzen würden. Da hilft mir mein pädagogischer Beruf dann doch auch als Mama. Und was ist jetzt damit, dass Kinder andere Kinder verbessern? Also, ich denke das ist schlichtweg eine Charaktersache und hat nicht zwangsläufig mit dem pädagogischen Beruf der Eltern zu tun. Und vielleicht ist es ja gar kein Verbessern im überheblichen Sinne, sondern viel mehr eine Hilfe und Unterstützung? Ich kann ja schließlich auch nur Dinge anders oder besser machen, wenn mir jemand sagt oder zeigt, wie es geht. Jawoll! Ich bin nämlich ich. Mensch, gaaaanz viel Mama und manchmal auch Lehrerin.

Bist du ein Lehrerkind, hast ein Lehrerkind oder kennst du ein Lehrerkinder? Dann schreib mir unbedingt. Bedienen diese eher das Vorurteil oder sind sie ganz anders? Ich bin total gespannt!

2 Comments

  • Unsere zwei Damen (3 und 6) gehören auch zu der Spezies Lehrerkind. Die Kleine (3,5 Jahre) geht regelmäßig zur Logo und kann auch nicht richtig zählen und Olaf sagen. Sie würde (ganz ohne Migrationshintergrund) bestimmt zu den kritisierten Kindern gehören.
    Die Große wollte schon früh lesen und schreiben lernen, konnte mit drei die ersten Buchstaben erkennen und am Ende des Kindergartens erste Wörter mit Großbuchstaben schreiben. Wir haben ganz klar gesagt, dieses und jenes (z.B. kleine Buchstaben) lernst du in der Schule. Das war auch gut so, denn jetzt in der ersten Klasse kann sie ihren Wissensdurst stillen und ist so richtig neugierig. Das Lernen macht ihr in der Schule Spaß und das ist gut so!
    Aber: Die Kleine kriegt über die Logo hinaus viel Unterstützung von uns. Durch mein Wissen über Sprache und die Fähigkeit, zu didaktisieren, entwickle ich aus Alltagssituatione kleine Übungen.
    Die Große bekommt auch ziemlich viel Unterstützung beim Lesestart. Wir schwingen gerne Silben, reimen usw. Da die Lehrwerke in der Ganztagsschule liegen und es keine Hausaufgaben gibt, ist es schon ein Privileg, dass hier jemand sitzt, die mit ihr Wörter in Silben zerlegt usw.

  • Auch hier wächst ein Lehrerkind (2 1/2) heran. Inwiefern er sich zum „typischen“ Lehrerkind entwickeln wird, kann ich noch nicht abschätzen. Wenn ich mir aber die Lehrerkinder an unserer Schule anschaue, gibt es solche und solche. Etwas mit Vorsicht zu genießen sind manche, deren Eltern zum direkten Kollegium gehören, da sich hier in erster Linie die Eltern „besonders“ anstellen. Diese haben häufig das Gefühl, dass gerader IHRE Kinder etwas Besonderes sind und meinen daher, Kollegen belehren zu müssen wie man gerade mit ihrem Kind umzugehen hat. Auch spannend sind meist die Grundschullehrermamis von Unterstufen-Kindern, da diese auch häufig meinen, den großen Durchblick zu haben, besonders in der ersten Fremdsprache. Das ist sehr schade, denn meist leiden die – doch sehr normalen – Kinder mehr unter dem Verhalten der Eltern den „Kollegen“ gegenüber als es ihnen nützt. Kinder sind Kinder, mal clever und wissbegierig, mal eher faul und etwas hilfsbedürftiger. Und das sollten auch, oder vor allem, Pädagogeneltern im Hinterkopf behalten. Ich hoffe mir gelingt das!

    Mit lieben Grüßen zum neune Jahr, direkt vom Korrekturwahnsinn der Weihnachtsferien

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