was ist „stark sein“ überhaupt?

ALLTAGSGESCHICHTE Wo Menschen aufeinander treffen, kommt es unweigerlich zu Meinungsverschiedenheiten und Interessenskonflikten. Das gilt für uns Große genauso wie für Kleine. Während wir Erwachsenen verschiedene Strategien gelernt oder für uns selbst entwickelt haben, wie wir in solchen Situationen meistens ganz gut für uns sorgen können, brauchen unsere Mini-Menschen da viele Jahre lang Unterstützung und Begleitung durch vertraute Personen. Wir alle wünschen uns starke Kinder mit einem tollen Selbstbewusstsein. Kinder, die bei Auseinandersetzungen oder Ablehnung durch andere nicht gleich an sich selbst zweifeln, sondern sich stark zeigen und über Anfeindungen und Ausgrenzung drüberstehen. Wie machen wir unsere Kinder aber eigentlich stark? Dieser Frage geht Bella von Familieberlin in ihrer Blogparade „Kinder stark machen: Ja, aber wie?“ nach, an der ich mich mit diesem Beitrag gerne beteilige und euch zu erklären versuche, was für mich dieses stark sein überhaupt bedeutet.

schubsen oder schlagen? nein, danke!

Dass wir körperliche Gegenwehr absolut ablehnen und ein Zurückschubsen oder -hauen für uns niemals DAS Mittel der Wahl ist, habe ich bereits vor ein paar Monaten in meinem Beitrag: „…dann hau‘ doch zurück!“ hinlänglich beschrieben. Dabei bleibe ich auch. Jemanden absichtlich zu verletzen ist in meinen Augen kein Zeichen für dieses „stark sein“. Niemals würden wir unser Mini-Menschen-Mädchen dazu ermuntern sich durch einen ordentlichen Hieb andere Kinder vom Leib zu halten. Wir wollen nicht, dass unser Kind das gleiche Verhalten zeigt, wie die, die wehtun. Auch nicht in einer Notsituation. Zum Glück ist dieses Verhalten auch gar nicht in Friedas hochsensiblem Verhaltensrepertoire. Noch nie hat sie zu dieser Strategie gegriffen und darüber bin ich persönlich wirklich sehr froh. Wahrscheinlich würde sie zu derartigen Verteidigungsmaßnahmen noch nicht einmal greifen, wenn Guido und ich es ihr als Lösung ans Herz legen und empfehlen würden. Trotzdem soll unsere Frieda aber ja auch nicht wie ein barmherziger Samariter „die andere Wange hinhalten“, wenn sie geschlagen wird und völlig schutz- und wehrlos sein. Sie soll andere Strategien zu wählen lernen, um sich zu verteidigen oder aus Selbstschutz von anderen abzugrenzen. Wie bringt man das aber dem Kind bei? Vorleben geht da nur in einem gewissen Maße, denn es kommt ja in unserem Alltag so gut wie nie vor, dass wir uns vor anderen Menschen verbal oder gar körperlich mit einer Abwehrreaktion schützen müssen. Aber selbst das habe ich Frieda sogar schon vorgemacht, wie ihr in meinem Beitrag „Selbstbewusste Kinder wollen wir!“ nachlesen könnt. Außerdem finde ich ein Stärke-Training z.B. „Nein sagen“ im Kleinen schon extrem wichtig. Und für uns Große dann das „Nein“ unserer Kinder anzunehmen.

bedingungslose liebe und freundschaft

Einer meiner größten Wünsche ist es, dass wir Frieda mit unserer bedingungslosen Liebe und unserem sehr bedürfnisorientierten Lebenskonzept mit auf den Weg geben, dass sie rundum perfekt ist, wie sie ist. Mit all ihren Gefühlen und Angewohnheiten, Gedanken, Worten und Taten. Aber auch mit ihrem Aussehen, ihren Talenten, mit allen Stärken und Schwächen. Sich selbst gut zu finden, sich in seinem Körper richtig zu fühlen und in engsten Bezugspersonen einen sicheren Hafen zu haben, ist ziemlich sicher der beste Nährboden für ein taffes Selbstbewusstsein. Da sind wir uns bestimmt alle einig. Irgendwann, wenn die Kids älter sind, spielen aber auch Freundschaften eine sehr zentrale Rolle und sind ein echter Anker. Wenngleich Kinderfreundschaften natürlich noch nicht mit den freundschaftlichen Beziehungen Erwachsener vergleichbar sind, haben Gewalt und Mobbing unter Kindern kaum eine Chance, wenn mehrere verlässliche, vertrauensvolle und vor allem auch gleichberechtigte Freunde da sind, mit denen man „durch dick und dünn gehen“ kann. Wahre Freunde nehmen einen so an, wie man ist und auch Streit kann diesen Beziehungen dann kaum etwas anhaben. Freundschaften sind wichtig und das Thema liegt mir ja für unsere Frieda auch jetzt schon sehr am Herzen, obgleich sich da natürlich noch sehr viel bewegen wird.

„stark sein“ hat viele gesichter

Was ist aber jetzt für mich wirklich „stark sein“? Klar, zum Starksein gehören ziemlich viele Aspekte des Lebens und vielleicht findet auch jeder von uns andere Eigenschaften an einem Gegenüber „stark“. Stark sein ist (sich) Hilfe zu holen oder selbst zu helfen, an andere zu denken, aber auch an sich. Was ich persönlich aber extrem stark finde ist, wenn man empathisch sein kann. Wenn man über die Andersartigkeit von Menschen, über deren Gefühle und Beweggründe eines Handelns nachdenken und sich sogar hineinfühlen kann. Selbst dann, wenn es einem zunächst sehr befremdlich erscheint und man dem Verhalten auch absolut nichts Positives abgewinnen kann.

Was findet ihr „stark“ und wie versucht ihr eure Kinder zu stärken?

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