wenn der familienrat tagt…

ALLTAGSGESCHICHTE Das Zusammenleben mit anderen Menschen ist nicht immer einfach. Für uns Erwachsene nicht und für unsere kleinen Lieblingsmenschen erst echt nicht. Unser Alltag ist voller Interessenskonflikte und auch vor unschönen Kommentaren aus der Umwelt können wir uns selbst und auch unsere Kinder nicht immer schützen. Wir alle wünschen uns Kinder mit starken Persönlichkeiten und wir Eltern fragen uns immer wieder, wie wir unsere Kids denn nun wirklich stärken können. Stark machen, dass sie für die Welt da draußen gut gewappnet sind. Neulich machte ich mir ja bereits Gedanken über „Was dieses stark sein überhaupt ist?„, vielleicht hast du es gelesen? Gerade hochsensible Kinder brauchen da aber wahrscheinlich noch ein etwas „dickeres Fell“ und vielleicht sogar ein gewisses Rüstzeug, damit sie sich unüberlegte Sprüche anderer Kinder nicht so zu Herzen nehmen und in solchen Momenten angemessen reagieren. Mir ist nämlich wichtig, dass unsere Frieda in diesen für sie schwierigen Situationen nicht hilflos dasteht, sondern eine Idee davon entwickelt, was sie entgegnen könnte – ohne natürlich den Gegenüber wiederum zu verletzten. Einfach einen weiteren unschönen Kommentar zur Gegenwehr zurückzuschleudern ist nämlich das letzte, was unsere Welt braucht und was ich für Frieda möchte. Was aber tun? Klar, reden, reden, reden und ganz viel einfühlen. Einfühlen in alle Beteiligten, vor allem in das Kind, das die verletzenden Dinge gesagt hat.

 Familienrat „light“ als eine Anbahnung

Schon länger begleitete mich die Idee, eine Familienkonferenz bei uns zu Hause zu etablieren. Ich finde es einfach wunderbar, wenn sich alle Familienmitglieder auf Augenhöhe begegnen und in Gesprächen jede Meinung zählt – möge sie aus einem noch so kleinen Mund kommen. Klar, wir begegnen uns hier im Alltag zwar sowieso schon auf Augenhöhe und als gleichwertige Familienmitglieder, ein echter Familienrat hat da aber ja nochmal eine ganz andere Qualität und eine andere Gewichtung. Einer richtigen Familienkonferenz liegt ja ein echtes Konzept zu Grunde und sie hat, zwar kein super starres, aber doch ein Raster mit Regeln, die den Ablauf, den Inhalt und das Miteinander strukturieren. Das ist für uns hier (noch) etwas zu viel, aber wir versuchen uns so langsam an einen kleinen Familienrat „light“ heranzutasten. Während es im ursprünglichen Familienrat eher um familieninterne Interessenskonflikte geht, besprechen wir hier im Moment vor allem Situationen aus der KiTa, die unsere Frieda belasten. Wir entwickeln alle gemeinsam Ideen für mögliche Lösungen dieser Situationen und versuchen uns auch in das andere Kind hineinzuversetzen, dessen Beweggründe zu verstehen und die Gefühle dahinter nachzufühlen. So kann ein Familienrat das „stark werden“ unserer Kinder nämlich ganz entscheidend unterstützen, finde ich. Und unsere Frieda wird so schön kreativ.

Ideen und Antworten selbst entwickeln

Ein immer wiederkehrendes Thema ist zum Beispiel, dass andere Kinder unserer Frieda so etwas wie „du kannst das noch nicht“ entgegenschmettern und ihr damit vermitteln sie sei noch zu klein oder eben unfähig. Ein wirklich blödes Gefühl, wir kennen es wohl alle selbst. Dabei kann sie so viel und ist so motiviert zu lernen. Klar sagen wir ihr auch immer, dass sie doch schon groß sei und sie doch selbst wisse und merke, dass sie schon so viele Dinge könne, aber das reicht eben nicht immer. Sie muss es selbst auch spüren, sich groß und kompetent fühlen. Das schaffen wir durch reden, in dem wir ihr sagen und zeigen, dass sie wunderbar und genau richtig ist. Aber natürlich merkt Frieda es noch viel mehr, in dem sie hier zu Hause viele Sachen selbstständig machen darf (nicht muss!) und wir ihr auch wirklich schwierige Dinge zutrauen. Gleichzeitig überlegen wir dann im Familienrat, was man so einem älteren Mädchen denn erwidern könnte, wenn mal wieder ein „Du kannst Haarspangen ja noch gar nicht so gut in die Haare machen“ kommt. Frieda will dann oft erstmal wissen, warum Kinder sowas gemeines überhaupt sagen. Sich da (ohne Bewertung) in dieses andere Kind einzufühlen, fällt mir auch nicht immer ganz leicht. Wir entwickeln aber immer schöne Lösungsideen und üben manchmal sogar die besten Sätze laut auszusprechen – mit und ohne passender Geste. Frieda hat im Familienrat übrigens eigentlich immer die schönsten Ideen und Gedanken, die der gewaltfreien Kommunikation schon sehr nahekommen. Das ist wirklich wundervoll!

Wer von euch kennt Familienkonferenzen oder lässt mit seinen Lieben regelmäßig einen Familienrat tagen? Welche Erfahrungen macht ihr damit?

1 Comment

  • Schön zu lesen. In unserem Kindergarten gibt es auch Kinderkonferenzen. Da dürfen die Kinder selbst ihr Faschingsthema festlegen oder bestimmen, wohin der nächste Ausflug gehen soll. Es ist toll, wenn Kinder mitreden dürfen.
    Zuhause haben wir noch nicht sehr oft den Familienrat einberufen. Aber wenn es ums Thema Urlaub geht oder auch am Wochenende nichts ansteht, dann darf jeder Wünsche äußern, was er gern machen würde, was er gern unternehmen würde.
    LG Anke

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