die schulärztliche untersuchung

ALLTAGSGESCHICHTE Im Moment befinden wir uns im Anmelde- bzw. Bewerbungsprozess an der hiesigen Waldorfschule. Aus unterschiedlichen, persönlichen Gründen wünschen wir uns für unsere Frieda ja, dass sie als sogenanntes Kann-Kind bereits im nächsten Schuljahr zur Schule gehen darf. Für uns kommt (egal, ob im nächsten oder doch erst im übernächsten Sommer) ausschließlich die Waldorfschule in Frage. Vielleicht hast du auf unserem Blog oder unseren Socialmediakanälen schon davon gelesen. Ob die Einschulung jetzt zum kommenden Schuljahr klappt und somit unser Wunsch in Erfüllung geht, bleibt noch abzuwarten. Im Januar sind wir zum persönlichen Gespräch und unsere Frieda zu einer unterrichtsähnlichen Situation in einer Kleingruppe potentieller neuer Erstklässler eingeladen. Unabhängig von der ausgewählten Schulform mussten wir aber nun schon beim Schulamtsarzt vorstellig werden, der ein schulärztliches Gutachten über jedes Kind, das in die Schule kommen darf, schreiben muss. Dieses ist vor allem als Orientierung für die aufnehmende Schule gedacht, zeigt aber auch den Eltern auf, welche Fördermaßnahmen vielleicht noch vor der Einschulung ergriffen werden könnten, um das Kind gut gerüstet in die Schule zu schicken. Es kann auch Rückstellung empfohlen werden, die dann die aufnehmende Schule mit den Eltern gemeinsam beim Schulamt beantragt.

Obgleich man vor einer Schuleingangsuntersuchung  natürlich keine Angst haben muss, war ich etwas aufgeregt, weil ich gar nicht genau wusste wie so eine schulärztliche Untersuchung überhaupt abläuft und was da alles „abgetestet“ wird.

was wird denn da abgefragt?

Von unfreundlichen Amtsärzten keine Spur! Ganz im Gegenteil. Alles war ganz entspannt, ohne viel Wartezeit, aber dennoch nicht hektisch. Der ganze Aufenthalt war aufs Kind abgestimmt und unserer Frieda wurde wunderbar freundlich begegnet. Die Untersuchung fand komplett in meinem Beisein statt. Ich fand‘ die schulärztliche Untersuchung insgesamt übrigens alles andere als nur „Pille Palle“. Es wurde wirklich eine Vielzahl von kleinen Tests gemacht, die alle zusammen einen guten ersten Überblick geben, denke ich. Einzig und allein der sozial-emotionale Bereich und die für Schule so wichtige Interaktion mit anderen Kindern konnte natürlich bei der schulärztlichen Untersuchung nicht angesehen werden. An der ersten „Station“, der Assistenzärztin, wurden neben Größe, Gewicht, dem Sehtest (zusätzlich ein Test zur Überprüfung einer möglichen Rot-Grün-Schwäche) und dem Hörtest schon die ersten kleinen Aufgaben gestellt. Alles total spielerisch und absolut kindgerecht. Frieda hat’s sogar richtig Spaß gemacht! Hier für euch eine Übersicht und meine kurzen Erklärungen dazu.

  • selektive Wahrnehmung auf Tempo: Hier musste Frieda auf einem DinA4 Blatt voller kleiner lachender und trauriger Smileys ausschließlich die lachenden Smileys finden und innerhalb von einer Minute so viele wie möglich davon anstreichen.
  • Geometrische Figuren zeichnen: Auf einem LKW fehlte die Ladung, die Frieda so wie auf der Vorlage ergänzen musste. Sie sollte dann einfache geometrische Figuren (Quadrat (auch ein durchgekreuztes), Dreieck, Rechteck und Kreis) zeichnen. Auf die Stifthaltung wurde natürlich geachtet.
  • simultane Mengen erfassen bis 5: Für rund 3 Sekunden wurde Frieda ein Bild mit blauen Kugeln gezeigt. Ohne zu zählen (das ging in der kurzen Zeit eh nicht), sollte sie die Menge erfassen und die richtige Anzahl nennen.
  • vergleichen von Mengen: Für wieder rund 3 Sekunden wurde Frieda ein Bild mit blauen und gelben Kugeln gezeigt. Die Kugeln waren nicht durcheinander geraten, sondern eine Farbe immer auch auf einer Seite des Bildes. Ohne zu zählen (das ging in der kurzen Zeit eh wieder nicht), sollte sie sagen von welcher Kugelfarbe mehr zu sehen war.

Dann ging es ab zur Amstärztin. Ebenfalls unglaublich nett und dem Kind sehr zugewandt. Während ich einen 6-seitigen Fragebogen ausfüllte, der übrigens zahlreiche Fragen zum Medienkonsum enthielt, wurden mit Frieda wieder einige Tests gemacht.

  • Überprüfung der grundlegenden Intelligenzfunktion: Hier wird natürlich nicht der IQ des Kindes gemessen, sondern nur ganz basal die grundlegende Fähigkeit überprüft, Analogien und Kategorien zu bilden (z.B. gemeinsame Merkmale erkennen: Auf den Bildern sind Tiere, also muss in den leeren Kasten noch ein weiteres Tier oder leeres Quadrat -> Quadrat mit schwarzem Punkt in der Mitte, leeres Dreieck -> wie sieht dann das passende Dreieck aus?) Durch das bilden von Analogien und Kategorien wird abstraktes und schlussfolgerndes Denken erfasst. Zur Lösung der Aufgaben ist das Erkennen und Anwenden von Ordnungsprinzipien im Sinne eines Sortierprinzips sowie das Erkennen und Wiedergeben von Analogien bzw. Gesetzmäßigkeiten erforderlich.
  • Mann-Zeichen-Test: Im Laufe der Jahre verändert sich bekanntlich das Zeichnen des Kindes. Anhand der Menschenzeichnung „Male dich einmal selbst“ kann man Hinweise auf entwicklungspsychologische Aspekte erlangen (kein Muss, sondern kann…), wie plastisch ist der gezeichnete Körper bereits, stimmen die Proportionen, die Anzahl der Finger usw. Hier sollte Frieda ihren Namen dazu schreiben. Auch hier wurde natürlich wieder auf die Stifthaltung geachtet.
  • komplexere Figuren abzeichnen: Da habe ich nicht schlecht gestaunt, fand ich das schon ganz schön anspruchsvoll. Frieda sollte ein Tipi zeichnen, Dreieck, oben überkreuzt, unten geschlossen mit Halbkreis als Öffnung. Dann noch einen Indianerpfeil mit vielen diagonalen Strichen als Federn unten dran.
  • Motorik: Frieda sollte mit beiden Füßen über eine rote Linie immer wieder von links nach rechts hüpfen. Sie hatte eine Minute Zeit, die Anzahl der Sprünge wurde gezählt.

Während der Untersuchung habe ich natürlich keine Fotos oder Notizen gemacht und hoffe, dass ich hier keine Aufgabe vergessen habe.

Schuluntersuchung – und jetzt?

Tja, und jetzt? Die schulärztliche Untersuchung „bescheinigt“ uns nun ein >>Kognitiv sehr fittes und aufgeschlossenes Mädchen, bei dem aus ärztlicher Sicht nichts gegen eine Kann-Kind-Einschulung spricht<<. Tatsächlich hatte ich mir das eh schon gedacht, man kann sein Kind ja einschätzen 😉 Für die Waldorfschule ist das Ergebnis der schulärztliche Untersuchung (glaube ich) nicht ganz so entscheidend, sondern sie verlassen sich lieber auf ihre eigenen Einschätzungen und Kriterien – was ja auch nur gut ist, um die beste Entscheidung für das Kind zu treffen. Sie haben ja auch die komplette Klasse im Blick und können in der unterrichtsähnlichen Situation auch den sozial-emotionalen Bereich anschauen. Ich werde euch berichten.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.