die Mutter neben mir im kino

ALLTAGSGESCHICHTE Sicherlich kennt ihr das von euch selbst auch. Ihr seht wahlweise im Supermarkt, auf dem Spielplatz, im Schwimmkurs, im Puppentheater oder sonst wo eine andere Mama, die gerade… Ja, was denn? Was macht sie? Schaut sie ins Handy? Schimpft sie mit dem Mini-Menschen-Kind? Schaut sie genervt und gestresst oder macht sie einfach in euren Augen etwas wirklich merkwürdiges? Oder lest ihr im Internet, auf einem Blog so wie diesem hier, vielleicht eine Alltagsgeschichte und denkt euch dabei, dass es doch wahrlich komisch ist, wie diese Mama das mit ihren Kindern alles so macht. Wie sie lebt, wie sie erzieht (oder eben nicht) und dass man es selbst definitiv anders machen würde. Nein, sogar sollte. Noch besser: Müsste! Ertappt! Keiner will sie haben, jeder hat sie aber: Vorurteile. So ergeht es mir auch. Zugegeben sogar recht oft. Auch ich bin so oft voller Urteile und Vorurteile. Neulich im Kino war das auch mal wieder so.

Augen zu – Das darfst du nicht sehen

An diesem Tag sollte es die Verfilmung des zauberhaften Kinderbuchs „Latte Igel“ von Sebastian Lybeck sein. Eine wirklich tolle Geschichte über Freundschaft, Zusammenhalt und darüber, dass man auch als kleines Wesen große Dinge leisten und erreichen kann, wenn man mutig ist, an sich glaubt und dazu noch einen guten Freund an seiner Seite hat.  By the way: Wer von euch den Film noch nicht gesehen hat, wir fanden ihn echt toll und empfehlen ihn an dieser Stelle ausdrücklich. Aber wieder zurück zum Thema. Im Kino setzte sich eine kleine Familie neben uns – Papa, Mama und ein Sohn, gerade 4 geworden, würde ich sagen. Das Alter ist natürlich nur geschätzt. Was dann (verständlicher Weise) bei der Vorschau auf neue Filme losging, zog sich durch den ganzen Latte Igel Film und ich konnte es gar nicht lassen immer wieder hinzusehen. Besagte Mama hielt ihrem Sohn an den für sie gruseligen, actionreichen und somit aufregenden und vielleicht aufwühlenden Stellen die Augen zu. Nicht, dass er es eingefordert und sich wirklich in diesem Moment arg gegruselt hätte. Nein, sie tat es, weil sie es so wollte. Also, weil sie eben nicht wollte, dass er diese ganzen Filmszenen sah. Ich war mehr als irritiert, fragte mich, warum sie überhaupt ihm Kino saßen, öffnete sofort meine Vorurteile-Schublade, stempelte diese Frau ab und packte das soeben Gesehene hinein. Doch bevor ich die Schublade wieder schloss, versuchte ich diesmal mich selbst und mein Gedankenkarussell zu stoppen. Denn das Ding mit den Urteilen und Vorurteilen, das will ich vor allem anderen Mamas gegenüber eigentlich am liebsten so gar nicht mehr.

Eigenen (Vor-)urteilen begegnen

Urteile gehören zum Leben. Ja, vielleicht. Ganz sicher sogar. Sie geben uns Orientierung darüber, wer wir sind und wie wir sind, wohin wir wollen und grenzen uns von dem ab, was wir uns für unser Leben so gar nicht vorstellen können. Und doch merke ich, dass wir im Leben oft vorschnell urteilen. Dass wir nur eine kleine Szene aus dem Leben eines anderen Menschen sehen und sofort bewerten, die Augen verdrehen, in Schubladen packen, Vorurteile entstehen lassen und schnell schreit dann alles in uns auf. Und unter Müttern – gerade im anonymen Internet, auf Blogs und in Socialmedia –  scheint mir das so enorm weit verbreitet zu sein. Du siehst eine andere Mama mit ihrem Kind. Du verfolgst einen Teil ihres Lebens, siehst kleine Ausschnitte und stellst für dich total rasch fest: So, wie sie lebt und wie sie erzieht (oder eben nicht), das würdest du anders machen! Und du denkst vielleicht sogar: das MUSS man doch anders machen und du urteilst, verurteilst, entwickelst sofort Vorurteile gegenüber dieser Haltung. Und du reagierst, schreibst einen sehr distanzlosen und übergriffigen Kommentar, ohne wirklich näher nachgefragt zu haben. Ist dir auch schon mal passiert? Mir auf jeden Fall!

Ich für meinen Teil übe mich seit einiger Zeit in Achtsamkeit, denn ich möchte es gerne anders machen. Weniger bewerten, weniger Vorurteile entstehen lassen. Und mir immer bewusst machen, dass diese Szene ganz sicher nur ein klitzekleiner Ausschnitt aus dem Leben eines anderen Menschen ist und ich viel zu wenig darüber weiß, was gerade dahinter steckt. Denn was passiert, wenn wir ständig über andere Menschen und Situationen urteilen? Wir halten uns selbst von einem glücklichen, friedlichen und liebevollen Leben ab!

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