„ach, das wächst sich noch raus!“

ALLTAGSGESCHICHTE Schon länger hörte ich heraus, dass unsere Frieda in ihrer Spontansprache manchmal etwas verwaschen sprach. Allerdings konnte ich nicht so recht sagen, welcher Laut es genau war, den sie etwas fehlerhaft bildete. Darin bin ich nunmal keine Expertin. Es war aber auch so minimal, dass es anderen Leuten und auch den Erziehern in der KiTa gar nicht aufgefallen war. Als ich anderen von meiner Vermutung erzählte, erntete ich von Leuten aus unserer Umgebung eher ein „Ach, das wächst sich schon noch raus!“. Das verunsicherte mich anfänglich natürlich etwas und ich fragte mich, ob die Sprachentwicklung von Kindern nicht sowieso mal etwas „holpern“ darf. Das war im letzten Sommer und Frieda war gerade mal 4 1/2 Jahre. Irgendwie ließ es mir dennoch keine Ruhe. Meines Wissens nach gehen die Kinder dann oft erst mit 5 Jahren oder sogar erst im Grundschulalter zur Logopädie, wenn die Sprachentwicklung eigentlich schon abgeschlossen ist und man mit einer Logopädie nur extrem langsam Fortschritte erzielen kann. Im Hinblick auf eine Kann-Kind-Einschulung im folgenden Sommer war es mir aber sehr wichtig, dass sich das mal ein Experte anhörte.

Abklärung durch die Logopädie

Jedes Kind ist anders und das ist auch gut so. Jedes Kind ist darf in den verschiedenen Entwicklungsschritten unterschiedlich weit sein und Meilensteine der Entwicklung zu seiner Zeit erreichen. Ihr wisst, wir sind keine „höher, weiter, schneller“ Eltern und messen unsere Frieda natürlich auch an keinen Normtabellen. Sie soll sich unbedingt in ihrem ganz individuellen Tempo entwickeln. Das betrifft Bereiche, in denen sie langsamer und zurückhaltender als viele andere Kinder ist, und genauso aber auch Bereiche, in denen sie viel schneller ist als Gleichaltrige. Es gibt aber eben so Bereiche, da kann und will ich nicht ausschließlich mit meiner mütterlichen Gelassenheit draufblicken. Bei der Sprachentwicklung kann es nämlich durchaus auch zu spät sein. So machten wir uns lieber mal auf die Suche nach einer logopädischen Abklärung. Sollte dieser dann auch sagen, dass „sich das schon noch rauswachse“, würde mich das definitiv beruhigen. Durch einen umfassenden Sprachentwicklungstest wurde dann ein Sigmatismus interdentalis diagnostiziert. Ganz minimal und kaum hörbar. Kleiner Exkurs: Beim Sigmatismus interdentalis wird der /s/-Laut zwischen den Zähnen gebildet und ist weitläufig eher als „Lispeln“ bekannt. Bei Kindern zwischen 3 – 6 Jahren ist dieser oft wirklich noch normal und „wächst sich tatsächlich raus“.

Wir gehen trotzdem zur Logopädie

Obgleich es bei unserer Frieda nun kein klassisches Lispeln ist, sondern ihre Zunge beim /s/-Laut nur minimal vor und nicht zwischen die Schneidezähne stößt, wollten wir es nicht auf ein herauswachsen ankommen lassen und auch nicht auf den Zahnwechsel warten. Außerdem sind wir und vor allem auch der Logopäde der Meinung, dass es besser ist, wenn sich unsere Frieda und ihr Gehirn schon frühzeitig die richtige Position der Zunge einprägen und nicht erst das falsche Zungenmuster verinnerlichen. Zudem ist Frieda jetzt im Vorschulalter sehr spielfreudig, motiviert und sowieso sehr wissbegierig. Wenn sie erstmal in der Schule ist und viele neue Eindrücke auf sie einprasseln, dann kann es außerdem schnell zu viel werden. Der erste Kontakt zum Logopäden nach den Sommerferien 2019 war auch ganz ohne anfängliche Scheu. Von Friedas hochsensiblen, introvertierten Wesen war bei der Logopädie eigentlich nie etwas zu spüren. Die beiden waren sich sofort sympathisch irgendwie und Frieda meistert seitdem jede einzelne Stunde ohne jegliche Berührungsängste. Im Spiel übt Frieda den /s/-Laut deutlicher zu sprechen und ihre Zunge übertrieben richtig zu positionieren. Zugegeben: Wir könnten hier zu Hause noch etwas mehr üben und täglich die Mund- und Zungenübungen machen, da hält sich unsere Motivation im Alltag noch immer etwas in Grenzen. Es ist schon in Friedas Bewusstsein übergegangen und sie achtet selbst aktiv auf eine richtige Stellung der Zunge. Dadurch fällt es ihr mittlerweile schon selbst auf, wenn die Zunge an die Zähne stößt. Das ist eigentlich ja schon der erste und auch der wichtigste Schritt. Da Friedas Sigmatismus interdentalis aber nur extrem minimal ist, wird die Therapie aber auch ziemlich sicher mit weniger Alltagsübung vor der möglichen Kann-Kind-Einschulung in diesem Sommer bereits abgeschlossen sein.

Geht euer Kind zur Logopädie? Magst du erzählen, welche Sprachstörung vorliegt und wann ihr begonnen habt? Welche Erfahrungen habt ihr grundsätzlich mit Logopädie gemacht?

1 Comment

  • Unsere Große spricht das d mit r hinten dran nicht richten. Bei ihr ist es denn „grei“ oder „grin“. Und die kleine kann Worte nicht sprechen wo das l an zweiter Stelle kommt. Also „Brau“ statt blau und „Schlasche“ statt Flasche… Wir überlegen auch aber unsere Kinderärztin würde uns niemals eine Überweisung oder so ausstellen da sie das alles für Humbug hält.

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