selbstzweifel als chance

ALLTAGSGESCHICHTE Gerade unter Müttern hört oder liest man oft, dass man bloß aufhören soll, an sich selbst zu zweifeln und sich mit anderen zu vergleichen. Dass man das alles schon ziemlich gut mache und das eigene Bauchgefühl sowieso meistens das Richtige sei. Ja, natürlich. Der Meinung bin ich grundsätzlich natürlich auch. Wir sind Menschen, wir alle machen Fehler, aber eben auch ganz schön viel richtig. Es ist niemanden damit geholfen, vor Selbstzweifel zu zerfließen, nachts wach zu liegen und sich nur schrecklich negative Gedanken über sich selbst, seine Verhaltensweisen oder über seine Entscheidungen zu machen. Denn wenn man immer nur „Ich bin nicht gut genug“ zu sich selbst sagt, dann bleibt man nicht nur auf der Stelle stehen, sondern wird ziemlich wahrscheinlich auch irgendwann darunter leiden. Genauso schlimm ist es aber auch, finde ich, wenn man immer nur „Ich bin total super“ von sich denkt. Denn auch dann ist ja kein wirklicher Entwicklungsspielraum vorhanden, oder? Tauchen aber leichte Zweifel auf, können sie tolle Reflexionsprozesse in einem selbst in Gang setzen. Deshalb finde es sehr schade, dass Zweifel irgendwie immer nur so verdammt negativ behaftet sind. Mich bringen kleine Zweifel zumindestens immer ein bißchen weiter.

Zeiten des Zweifels können hart sein

Ja, die Phasen, in denen ich mit mir selbst hadere, in denen ich viel über die von mir getroffenen Entscheidungen nachdenke und diese mir teilweise schwer im Magen liegen, sind hart. Wirklich. Ich werde dann manchmal nachts wach, die Gedanken feiern im Kopf Kirmes und ich kann vor lauter Denken kaum wieder einschlafen. Alle Wenn und Aber werden abgeklopft, die „hätte-ich-mal lieber“ ebenfalls und am liebsten würde ich mich mitten in der Nacht mit jemandem treffen und darüber reden. Ich gehe verschiedene Möglichkeiten gedanklich durch und stelle mir sogar szenisch vor, wie einzelne Situationen ablaufen und was Personen sagen könnten. Kommen Zweifel auf, will ich zum Glück nur ganz selten alles hinschmeißen und etwas Neues und (vielleicht) Besseres anfangen, einen anderen Weg einschlagen und Veränderung herbeiführen. Meistens bringen Zweifel mir, dass ich getroffene Entscheidungen und eingeschlagene Richtungen auf jeden Fall erstmal weiter verfolge, nochmal neuen Schwung aufnehme und mich hinterfrage oder einfach auch mal den Hintern zusammenkneife und es aus- oder durchhalte. Eine Patentlösung für Jedermann gibt es da natürlich nie. Mir hilft es definitiv immer sehr, wenn ich mich mit Guido austauschen kann. Zum Glück ist dieser als absoluter Nachtmensch dann oft sogar noch wach und hat ein offenes Ohr für mich. Ein differenzierter Blick einer vertrauten Person bringt da eigentlich immer eine Klärung.

unser Weg und nicht der der anderen!

Gerade sind da wieder so einige Zweifel. Ist unsere Entscheidung die Richtige? Sollen wir diesen Weg weitergehen oder lieber die Segel streichen und abbrechen? Was ist das Richtige und Beste für unser Kind? Meistens entstehen diese Zweifel, wenn ich mit Menschen ins Gespräch komme, die ganz anderer Meinung sind als ich. Menschen, die natürlich mit ihren ganz persönlichen Erfahrungswerten oder ihrer grundsätzlichen Überzeugung auf unsere Situation blicken. Menschen, die allerdings unser Leben nicht leben. Menschen, die weder uns als Familie, noch unsere Frieda oder unsere „Umstände“ genau kennen und somit auch nicht wirklich beurteilen können. Meistens wollen sie genau das auch gar nicht, sondern eben nur ihre Meinung mitteilen, aber es fühlt sich für mich schnell wie ein Urteilen an. Weil sie mich an genau der Stelle ja nunmal auf dem falschen Fuß erwischen und ich selbst ja schon nicht ganz sicher bin, ob das alles so richtig ist. Da gerät man nunmal leicht ins Wanken. Und wenn ich dann da so liege und mir wieder 1000 Gedanken durch den Kopf schießen, ich mir unendlich viele Szenen ausmale, dann schaffe ich es am Ende meistens doch mir zu sagen, dass es einzig und allein unser Weg ist und nicht der Weg der anderen! Dass wir die Experten für uns, unsere Familie und unser Leben sind. Und dass wir unsere Frieda von allen Menschen auf dieser Welt am allermeisten lieben, am allerbesten kennen und nichts anderes wollen, als gute Entscheidungen für ihr Leben zu treffen. Und das versuchen wir! Und deshalb schauen wir genau hin, wägen wir ab, zweifeln und reden. Vorausgesetzt natürlich, Zweifel mutieren nicht zu zerstörerischen Selbstzweifeln, machen diese Zweifel einen ganz coolen Job, finde ich. Sie bewegen was. Und manchmal führen die Zweifel dann dazu, dass wir Pläne überdenken, ändern und doch lieber einen anderen Weg einschlagen. Oder wir zerstreuen unsere Zweifel und gehen unseren Weg weiter. Einen Weg, der ganz allein unser ist und nicht der der anderen. Ein Weg, der vielleicht auch mal steinig und beschwerlich ist, auf dem nicht immer alles perfekt und gradlinig laufen wird, aber auf den wir dann hoffentlich irgendwann zufrieden zurückblicken. Und uns keiner am Ende sagt: „Na, hättet ihr mal auf mich gehört…“ Das braucht man nämlich am allerwenigstens. Egal, ob man 5 Jahre oder 50 Jahre ist.

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