gut und schlecht – bewertungen

ALLTAGSGESCHICHTE Frieda und ich gehen jeden Morgen auf dem Weg zur KiTa über diesen einen kleinen Spielplatz. Ich glaube, ich habe noch nie einen unattraktiveren Spielplatz hier in Köln gesehen. Die zwei Geräte, die dort stehen, sind mehr als schäbig und laden eigentlich nicht zum Spielen und erst recht nicht zum Verweilen ein. Dazukommt noch, dass dort unglaublich viel Müll herumliegt. Überall eigentlich. Chipstüten, Flaschen und Scherben,  Verpackungsreste von Caprisonne und Co,Unmengen dieser ausgespuckten Hüllen von Kürbiskernen und – wie sollte es eigentlich auch anders sein – endlos viele Zigarettenkippen. Nicht erst einmal habe ich überlegt mir nicht auch mal so eine Müllsammelzange anzuschaffen und den Unrat regelmäßig aufzuheben. Dann zweifle ich aber doch ein bißchen, denn ich frage mich, ob Frieda und ich da nicht doch noch unschönere Dinge finden könnten. 

Bewertungen und bedürfnisorientiert

Wenn wir so allmorgendlich über diesen kleinen Spielplatz schlendern, ist unsere Frieda auch immer sehr betroffen von dem Zustand dort. „Mama, das soll man ja nicht. Müll gehört in den Mülleimer! Wer macht das denn?“. Ja, genau. Das soll man nicht. Und ja, wer macht eigentlich sowas? In meinem Kopf suche ich nach kindgerechten Antworten zu diesem mir sehr wichtigem Lebensaspekt. Es sind Menschen, denen unsere Umwelt ziemlich egal ist. Die nicht darüber nachdenken oder vielleicht auch gar nicht wirklich wissen, was sie auf unserer Welt da anrichten. Menschen, die zum Teil andere Wertvorstellungen haben als wir in unserer kleinen, heilen Familie. Und dann denke ich darüber nach, welche denn meine Wertvorstellungen überhaupt so sind und was ich bewusst oder unbewusst an unser Mini-Menschen-Mädchen alles so weitergebe. Lob und Bewertungen können ka. ja nunmal sehr manipulativ sein. Immer dann nämlich, wenn wir unsere Mini-Menschen für Tätigkeiten loben, die unseren Wünschen oder denen der Gesellschaft entsprechen. Es gehe vor allem um Tischmanieren oder das Zimmeraufräumen. Oder eben um den Müll auf dem Spielplatz. Dinge, die eben gern (oder nicht so gern) gesehen werden. Obwohl ich im Rahmen unseres bedürfnisorientierten Lebens gegenüber unserer Frieda also so gut es geht auf Lob und Bewertungen verzichte, fließen an vielen Punkten des Lebens indirekt ja dann doch sehr deutliche Bewertungen mit ein.

Wertvorstellungen sind Bewertungen

Das soll man nicht, das darf man nicht, das macht man nicht. Im Auto muss man sich anschnallen, man darf nicht zu schnell fahren, Müll wirft man nicht einfach auf die Straße, Rollerfahren ohne Helm ist Tabu und und und. Die Reihe könnte endlos so weitergehen. Und auch wenn wir darauf achten, den Umkehrschluss nicht auszusprechen und es niemals (!) exakt so benennen würden, ist für unser Mini-Menschen-Mädchen irgendwie doch klar, dass es „gute“ und „schlechte“ Verhaltensweisen von Menschen gibt. Sie selbst hat sich sogar die Kategorien und Schubladen „lieb“ und „böse“, „richtig“ und „falsch“ erschlossen und bewertet danach tatsächlich andere Menschen  und ordnet diese dann nach dem gezeigten Verhalten in diese Schubladen hinein. Und das hat sie getan, obgleich wir natürlich auch versuchen nicht von „man“ zu sprechen, sondern Ich-Botschaften zu senden. Ich selbst lege bei ihren selbst ausgedachten Kategorien dann nur großen Wert darauf, ihr zu erklären, dass Menschen nicht per se „gut oder schlecht“ sind. Dass in jedem von uns alles schlummert, dass jeder nicht immer nett oder immer unfreundlich ist. Aber Fakt ist, dass Bewertungen in unserem Leben omnipräsent, allgegenwärtig sind. Dass sie zu unserem menschlichen Leben dazugehören.

Habt ihr schon einmal über unsere Wertvorstellungen nachgedacht? Was ist euch wichtig? Welche Werte gebt ihr euren Kids unbedingt mit auf den Weg und wie ist das für euch und eure Kinder, dass andere Menschen eben andere Wertvorstellungen (z.B. bezüglich Müll, Mülltrennung, Anschnallen, Helm aufsetzen etc.) haben?