alltag mit hochsensiblem kind #7

HOCHSENSIBILITÄT Endlich habe ich heute mal wieder einen Beitrag aus meiner lockeren Reihe über den Alltag mit unserer hochsensiblen Tochter. Wie ihr inzwischen sicherlich wisst, liegt mir das Thema Hochsensibilität besonders am Herzen. Die Welt da draußen weiß einfach immer noch zu wenig darüber, reagiert viel zu oft mit Unverständnis und hat sofort den defizitären Blick auf das Kind. Mit meinen Anekdoten aus unserem Familienleben möchte ich gerne aufklären, aber auch Eltern hochsensibler Kinder Mut machen zu diesem besonders tollen Persönlichkeitsmerkmal ihrer Kinder zu stehen und sich gegenüber anderen Menschen, Erziehern und Lehrern noch deutlicher zu positionieren – für unsere Kinder!

Elternsprechtag in der KiTa

Vor kurzem war Elternsprechtag in der KiTa. Selbstverständlich trugen wir uns in die Liste ein. Obwohl wir als Eltern unser Mini-Menschen-Mädchen ja am besten kennen, finde es immer ganz spannend zu hören wie andere Menschen auf unsere Frieda blicken, wie sie sie wahrnehmen und vor allem in der KiTa-Situation erleben. Den Erziehern gegenüber habe ich schon oft in Gesprächen erwähnt, wie wichtig es für unsere Tochter ist, dass ihr in vielen Situationen eine noch intensivere Begleitung zu Teil wird als vielleicht in der KiTa normal ist. Dass sie zum Beispiel mit für sie undefinierbaren Gefühlen im Regen steht und vor allem nicht versteht, warum ein anderes Kind mit den Worten „Kein Freund mehr“ plötzlich aus einer Spielsituation weggeht. Dass sie Äußerungen und Reglementierungen anderer Kinder schnell auch auf sich bezieht, obwohl sie sich selbst extrem regelkonform und angepasst verhält oder manchmal auch einfach nur da sitzt, nicht spielen, malen, basteln oder sprechen will. Das Wort „Hochsensibilität“ habe ich in Gesprächen noch nicht erwähnt, aber dieses Persönlichkeitsmerkmal immer wieder zusammenfassend umschrieben. Und dann kam das Gespräch. Frieda sei ja wirklich gut angekommen in der neuen Gruppe, spiele aber immer nur mit ihrem besten Freund Paul und kaum mit anderen Kindern. Morgens warte sie oft einfach nur auf „ihren“ Paul. Ob sie denn sonst auch kaum Kinderkontakte habe. An Mal- und Bastelaktionen nehme sie ebenfalls kaum teil und außerdem spreche sie nicht wirklich mit den ErzieherInnen. Wir versprachen auch nochmal mit Frieda darüber zu reden. Vor allem aber wollte ich ihre aber natürlich Sicht auf die Dinge anhören.

„Mein Mund ist einfach zu müde…“

Gesagt getan. Und wie ich es mir bereits dachte, sprudelten die Begründungen für ihr Verhalten dann aus ihr heraus. Viele Kinder seien ihr einfach zu laut und zu forsch, sie verstehe auch oft die Reaktionen nicht. Die meisten der Kinder mag sie (deshalb?) einfach nicht. Sie spiele viel lieber mit ihrem Freund anstatt zu malen und zu basteln und dass sie nicht mit den Erziehern spreche und ihnen nur die nötigsten Antworten gebe, begründet sie dann mit einem sehr kindlichen: „Mein Mund ist einfach zu müde, Mama.“ Trotzdem ich ihre hochsensiblen Verhaltensweisen sehr gut kenne, nachvollziehen und ihre Erklärungen verstehen kann, spreche ich an diesem Tag mit ihr über die Situation in der KiTa. Frieda bleibt aber dabei und ihr gehe es gar nicht schlecht damit. Nach dem Elterngespräch in der KiTa blutete natürlich mein Mamaherz. Allmorgendlich stellte ich mir das arme, wartende Kind vor und ich versuchte sie von zu Überzügen, dass auch andere Kinder nett sein können und wie wichtig es sei, mit Erziehern zu sprechen. Und dann frage ich mich, warum ich das hochsensible Wesen meines Kindes da so steuern und beeinflussen will? Weil es nicht so in die Gesellschaft passt?

Ja, Frieda verhält sich aufgrund ihres hochsensiblen Wesens manchmal anders als andere Kinder und wir stoßen immer wieder auf Unverständnis in unserer Gesellschaft. Egal, ob es die Nachbarin ist, die meint, dass das Kind nun aber endlich mal sprechen könne, weil man sich ja bereits oft genug im Treppenhaus getroffen habe oder ob es die Oma ist, die zum Geburtstag ein Telefonat vom Enkelkind erwartet. Oder sind es eben die Erzieher, die sich (natürlich aus verständlichen Gründen) Antworten auf Fragen und eine Teilnahme an Bastelarbeiten wünschen würden.

Nachdem ich dann heute dieses ganz wundervolle Interview mit Eliane Reichardt auf der Facebookseite von Tina Pichler angehört habe, bin ich nun noch überzeugter davon: Ich möchte mich bei Kommentaren und Meinungen über Friedas hochsensible Verhaltensweisen noch deutlicher positionieren. Denn ich möchte Frieda nicht verändern oder ein anderes Verhalten von ihr verlangen. Ich möchte sie begleiten, unterstützen und ihr sagen und zeigen: Du bist gut so, wie du bist. Und ich werde es in die Welt hinaus rufen. ❤️

[Jeder Mensch ist anders, so auch jedes hochsensible Kind. Es gibt wahnsinnig viele Facetten von Hochsensibilität und diese eine Anekdote aus unserem Alltag macht allein natürlich nicht Friedas hochsensibles Wesen aus.]

In unserer Rubrik ★ Hochsensibilität ★ sind bereits ganz viele Artikel über Friedas hochsensiblen Alltag erschienen. Lest gerne mal rein und hinterlasst uns einen Kommentar!