was bringt ein iq-test?

BEGABUNG Als Eltern läuft man schnell Gefahr das eigene Kind zu sehr mit denen der anderen zu vergleichen. Gelegenheiten ergeben sich ja viele und Entwicklungsbereiche sind auch schnell gefunden. Stillen, Schnullerentwöhnung, Beikost, Sprache, Motorik und der Klogang sind nur ein paar der vielen möglichen Themen. Schnell steckt man Kinder durch Vergleiche in Schubladen und hängt ihnen womöglich schon in frühster Kindheit erste Entwicklungsdefizite an. Genauso kann es aber auch andersherum sein. Man wartet mit der Logopädie vielleicht etwas zu lange, weil man hofft und denkt, dass sich das Kind schon noch von ganz alleine entwickle und einfach nur etwas „hinterher“ hinke. Ein ganz richtig und ganz falsch gibt es wahrscheinlich auch hier wieder nicht. Auf sein Gefühl zu hören ist sicherlich nicht ganz verkehrt. Viele Einzelkind-Eltern neigen bekanntlich dazu zu behaupten, dass ihr Kind das schlauste in der Kindergartengruppe sei und sich ohnehin mit den gleichaltrigen langweile. Sie sprechen schnell von Unterforderung und vorzeitiger Einschulung. Vor knapp einem Jahr schrieb ich in „Mein Kind ist das Schlauste!“ genau darüber. Obgleich ich ja tagtäglich mit Grundschulkindern verschiedener Klassenstufen arbeite und sicherlich einen guten und umfassenden Blick darauf habe, was Schulreife überhaupt ist und in welchen Entwicklungsbereichen ein besonders begabtes Kind ziemlich wahrscheinlich auch herausragende Leistungen zeigt, war ich mir bei unserer Frieda selbst total unsicher. Irgendwie hatte ich Angst diesen verblümt-verliebten Elternblick zu haben und das Können und Wissen unserer Tochter völlig falsch einzuschätzen. Ich wollte definitiv nicht zu den Eltern gehören, die eine Hochbegabung bei ihrem Kind sehen, wo aber keine ist…

Ist unser Kind besonders begabt?

Ich war mir also ziemlich unsicher. Zudem liest man in Büchern über hochsensible Kinder oft auch von herausragenden Gehirnleistungen. Darüber wollte ich noch mehr wissen. Ich kaufte mir wirklich viel Literatur und las mich in das Thema Begabung ein. In dem was ich da so las, erkannte ich in sehr vielen Bereichen unsere Frieda wieder. Mittlerweile war ich mir doch schon etwas sicherer. Das machte ich nicht in erster Line daran fest, dass sie sich schon sehr früh für Buchstaben und Zahlen interessierte und schon vor ihrem 4. Geburtstag erste kleine Wörtchen lesen und schreiben und auch einfache Additionsaufgaben im Zahlenraum 10 rechnen konnte, sondern vor allem an ihrer hohen Auffassungsgabe. Entweder erklärt sich Frieda nämlich Sachverhalte einfach selbst oder man zeigt ihr die Dinge ein einziges Mal und sie versteht. Dass sie stundenlang zu puzzeln vermag und 150 oder auch 200 Teile kein Hindernis für sie sind, sie sich generell gerne mit Knobelaufgaben für ältere Kinder beschäftigt, die kreatives Denken erfordern und sie große Freude am Bauen und Konstruieren zeigt, waren für mich zusätzlich kleine Merkmale. Hinzu kommen noch mehrere kleinste Hinweise, aber am Ende blieb eine sichere Vermutung – kein Beweis. Braucht man den denn? Braucht man einen IQ-Test und eine Zahl auf dem Papier? Erst dachte ich „Nein!“- definitiv nicht. Und dann erzählte mir eine Mama mit hochsensiblem, besonders begabtem Kind von der Testung ihrer Tochter und ich überlegte doch…

Brauchen wir wirklich so eine Zahl?

>>Tests sind eine Möglichkeit, um ein hochbegabtes Kind zu identifizieren, Verhaltensmerkmale eine andere. Oft sind Verhaltensmerkmale aussagekräftiger als Testergebnisse<<, so schreibt jedenfalls James T. Webb der Autor vonHochbegabte Kinder: Das große Handbuch für Eltern“ und trotzdem reichen manchmal Verhaltensmerkmale und deren (persönliche) Interpretation einfach nicht aus. Zum Beispiel, wenn man in der KiTa Verhaltensweisen des Kindes und die vielleicht damit verbundenen besonders-besonderen Bedürfnisse erklären möchte – und vor allem ihren Bedarf an Support oder einfach nur an etwas Veränderung. Und wir, die einen frühen Schulbesuch so sehr ablehn(t)en, dachten nun inzwischen sogar über eine vorzeitige Einschulung nach. Dazu aber dann in einem der nächsten Beiträge mehr.

IQ-Test  – und jetzt?

Wir wagten also tatsächlich den großen Schritt und machten einen Termin zur IQ-Testung. Obgleich sich das Testzentrum vor allem auf hochbegabte (und somit auch oft sehr sensible) Kinder spezialisiert hat, konnten wir das Zentrum und die Mitarbeiter leider nicht vorab zum Kennenlernen besuchen. Das war für unsere Frieda natürlich nicht leicht und es erforderte auch besondere Um-Organisation im Testzentrum. Am Ende machte unsere kleine-große Frieda dann beim Test (für alle, die es genauer interessiert: Es war der WPPSI) mehr schlecht als recht mit, kam nicht so richtig in Verbindung mit der Testleiterin und konnte sich somit nur schlecht auf den Test einlassen – trotz allem mit überdurchschnittlichem Ergebnis, in mehreren Teilbereichen weit überdurchschnittlich. Und jetzt? So richtig was gebracht hat uns der IQ-Test ja nichts. Stimmt. Die für unsere Frieda sehr widrigen Umstände haben uns nämlich kein so sehr zuverlässigen Wert liefern können. Aus Ahnung wird aber eine Sicherheit. Zumindestens darüber, dass Frieda definitiv zu den besonders begabten Kindern gehört. Wie hoch ihr „wahrer“ IQ aber nun ist? Wir wissen es nicht! Im Familienleben ändert sich für uns sowieso dadurch nichts. Was auch? Wir machen weiter wie bisher!