FEBuB 2019 – mein Rückblick

ANZEIGE Am 16. November war es endlich soweit – die FEBuB in Essen öffnete ihre Pforten und viele wundervolle Referenten sollten zu Wort kommen. Bereits als ich die Empfangshalle der Familienkonferenz betrat, war irgendwie diese besondere Stimmung spürbar, die man wohl kaum in Worte fassen kann. Allen Teilnehmern ist nämlich eines gemeinsam: Sie stehen für ein bindungs- und beziehungsorientiertes Familienleben ein, ermöglichen ihren Kindern ein geborgenes, „artgerechtes“ Aufwachsen, begegnen ihnen auf Augenhöhe und nehmen sie als Menschen mit einer Stimme, einer Meinung und einer ganz eigenen Persönlichkeit auf allen Ebenen an – bedingungslos. Alle Anwesenden hatten das gleiche Ziel. Sie wollten Susanne Mierau, Julia Dibbern, Nicola Schmidt, André Stern, Nora Imlau, Katja Seide und Co schon immer einmal live hören und sich außerdem mit vielen, vielen Gleichgesinnten austauschen. Und all‘ das gab‘ es auf der FEBuB auch. Heute möchte ich euch berichten, welche Vorträge mich besonders begeistert haben und warum mich die ein oder andere Aussage auch noch Wochen später immer wieder gedanklich beschäftigt.

Katja Seide über AP-Schulkinder

Den Vortrag von Katja vom Gewünschtesten Wunschkind wollte ich auf keinen Fall verpassen. Ich hatte Katja zuvor leider noch nicht kennengelernt, aber war sofort ganz angetan. Nicht nur von dem, was sie den vielen Zuhörern zu sagen hatte. Katja referierte in einer unglaublich schönen, lockeren, humorvollen und natürlich gleichzeitig mega professionellen und wissenschaftlich fundierten Art über Schulkinder, die bedürfnisorientiert aufwachsen. Gerne wird diese Erziehung auf Augenhöhe oder das eher unerzogene Aufwachsen unserer Kinder ja gerne auch als Grund gesehen, dass sie auf unterschiedliche Weise zu Systemsprengern werden. Überall hört man ja davon, dass die Schüler von heute, die (angeblich) so locker erzogen werden, keinerlei Grenzen mehr kennen und kaum noch Regeln der Gesellschaft einhalten können. Hier saß ich dann irgendwie auch schnell in meinen beiden unterschiedlichen Rollen. Erstmal natürlich als Mama, die ihr eigenes bedürfnisorientiert aufwachsendes, hochsensibles Kind definitiv nicht an einer Regelschule des hiesigen Schulsystems sieht und dann ja selbst auch als Sonderpädagogin an einer inklusive Grundschule genau dieses Systems. Ich konnte mich also an allen Stellen entweder als Mama oder als Lehrerin oder manchmal auch in beiden Rollen sofort wiederfinden und wusste von meinem Familien- und Berufsalltag sofort wovon sie wirklich sprach. Ich hatte genug eigene Bilder und Situationen dazu im Kopf. Aber ich gehöre definitiv zu denen, die es anders machen wollen. Schon länger versuche ich mich als Lehrerin aus dem Korsett der Ampelsysteme, Belohnungs- und Bewertungssmileys und aus dem Lob-und-Strafe–Prinzip herauszuwinden und auch ihre Kritik am Schulsystem unterschreibe ich schon lange. Nun finden ihre ganz konkreten Gedankenanstöße, Veränderungsvorschläge und Literaturtipps aus der Schulwelt wirklich in mir einen Anker. Es ist zauberhaft. Und als Mama bin ich absolut darin bestärkt, mit unserem eigenen Kind einen alternativen Schulweg zu gehen.

Julia Dibbern und ihre WildWorld

Julia Dibbern, eine weitere von ganz wundervollen Frauen, die mich durch ihre Bücher von Anfang auf meinem Weg zu einem bedürfnisorientierten Familienleben begleiten, wollte ich auf der FEBuB unbedingt live sehen und hören. Meine Namensvettern stellte mit Wild World. Wie Kinder an der Welt wachsen und Eltern entspannt bleiben eines ihrer Herzensthemen aus ihrem gleichnamigen Elternratgeber vor und zog mich damit sofort in ihren Bann. Ja, die Sache mit den Wurzeln und Flügeln und es ist wirklich so viel wahres daran. Ihr Plädoyer lautet, dass geborgene und bedürfnisorientiert aufgewachsene Kinder ganz leicht in die große weite Welt ziehen werden, weil gerade sie ein gutes Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl besitzen und sich des Rückhaltes und der bedingungslosen Liebe ihrer Eltern immer sicher sein können. Das ist laut Julia Dibbern eben diese Familienresilienz, in der alle Familienmitglieder an Herausforderungen wachsen, sich auf Augenhöhe begegnen, sich gegenseitig unterstützen und gemeinsam Problemlösungen finden. Sie sind es, die gestärkt aus Krisen herausgehen –  ganz ohne Schuldzuweisungen, Macht oder anderen destruktiven Handlungen wie Strafen. Und auch in ihrem Vortrag wurde wieder deutlich, wie wichtig es ist, dass wir Eltern uns mit unserer eigenen Kindheit, unserer Angst und unseren alten Verletzungen, unseren Mustern auseinandersetzen, um unsere Kinder zu beschützen und gleichzeitig im richtigen Augenblick loszulassen. Und am Ende war Julia Dibbern so gerührt, weil ihr Thema auf der FEBuB eben genau IHR Thema ist und sie sich gerade im Loslass-Prozess ihres eigenen Sohnes befindet. Alle Zuhörer im sehr vollen Hörsaal waren mit ihr gerührt. Ich auch!

Andre Stern Leben und Lernen

Der „große“ André Stern auf der FEBuB in Essen und ich sah ihn und lauschte ihm tatsächlich. Ja, irgendwie verrückt und würde er hier lesen, dass ich ihn den „Großen“ nenne, würde er sicherlich „Nein, nein, nein.“ sagen. Für mich ist André aber einfach ein wahrer Vorreiter. Einer, der nicht nur sagt, dass wir Eltern etwas verändern können und sollten, sondern einer, der selbst eben alles auch so ganz anders macht und auch selbst so anders aufgewachsen ist. Für ihn besteht kein Unterschied zwischen Spielen und Lernen und er sagt von sich, dass er schon alleine wegen der Schulpflicht niemals in Deutschland wohnen würde und seine Kinder auch nur dann in einer Schule anmelden würde, wenn sie das unbedingt wollen und von selbst äußern. Ja, er hat eine sehr persönliche, vielleicht auch radikale Einstellung zum Lernen, die aber seine eigene ist und keine Allgemeingültigkeit hat – so betonte er zumindestens immer wieder. Als aus dem Publikum sehr konkrete Fragen zur aktuellen Schulpolitik und dem deutschen Schulsystem kamen, beantwortete er diese nicht und seine Rückfragen und Kommentare dazu hätte manch einem sogar etwas überheblich erscheinen können. So war es aber für mich nicht. Ich fand seine Statements, ganz im Gegenteil nämlich, sehr klar, stark und deutlich – wenn man zwischen den Zeilen zu lesen vermag! Besonders spannend fand ich ja seine Ausführungen zum Thema „Neue Medien“, ist es nämlich auch eines meiner großen Themen. Leider (?) kann ich mich da nämlich oft noch nicht so locker machen und versuche es bei unsere Frieda doch noch zu sehr zu limitieren, finde ich. Einleuchtend war mir aber sofort, warum diese ganzen Apps und Computerspiele unsere Kinder so catchen. Dort können sie nämlich der Held sein, der jeder von uns gerne ist. Wir Eltern müssen für unsere Kids schlichtweg interessanter sein als jede App überhaupt sein kann, bei uns muss sich unser Kind eben auch wie ein Held fühlen. Packen wir es an. ❤️

 [Unvergütete Werbung! Das Ticket wurde uns zur Verfügung gestellt.]