glaube, religion und der eigene weg

ANZEIGE Ich bin evangelisch. Das habe ich so von meiner Mutter übernommen, weil man das irgendwie früher ja so machte. Ich verbrachte allerdings sehr viel wunderschöne Zeit meiner Kindheit bei meinen Großeltern väterlicherseits und bekam dort sehr viel des katholischen Glaubens mit. Meine Cousinen gingen zur Kommunion, waren später Messdiener, die Oma war viele Jahre Küsterin und sehr mit der katholischen Kirche im Dorf verbunden. Ich besuchte also nicht nur zu Weihnachten die Messe, sondern wuchs quasi ziemlich katholisch auf. Als Grundschülerin wurde ich dann eine waschechte Pfadfinderin in der katholischen Gemeinde und habe es geliebt. Also, nicht nur das Pfandfinder-Sein und die Freiheit in der Natur, sondern wirklich alles, was mit dem Glauben, der Glaubenspraxis und mit der Kirche zu tun hatte. Hier in der Gemeinschaft fühlte ich mich wohl und war immer gerne ein Teil ihrer. Eigentlich hatte ich nie das Gefühl, dass ich aufgrund meines evangelisch Seins irgendwie nicht dort angenommen worden war. Ganz im Gegenteil. Einzig und allein in den Messen und der katholischen Eucharistie war ich mir unsicher. Darf ich als protestantisches Kind (oder später konfirmierte Jugendliche) die katholische Eucharistie empfangen? Es hat mir nie jemand erklärt… Leider! Ich habe mich aber auch nie getraut zu fragen.

Suche nach Glaube, Religion und Gott

Als Jugendliche, als es dann für mich zum Konfirmationsunterricht in der evangelischen Kirche ging, fühlte ich mich zunächst wie „nichts Halbes und nichts Ganzes“. Dennoch ging es mir auch in dieser Gemeinschaft dann schnell sehr gut. Ich liebte den Unterricht und war wohl die TOP-Konfirmandin mit den meisten Gottesdienstbesuchen. Jahrelang kehrte ich beiden Kirchen dann aber den Rücken und fand‘ mich zu Studentenzeiten als junge Frau irgendwann wieder in der katholischen Messe sitzen, wollte ernsthaft konvertieren, besuchte sogar im DomForum in Köln ein Seminar dazu. Den Schritt ging ich aber nie. Warum? Keine Ahnung. Später als Lehrerin, nach einigen Dienstjahren, machte ich dann die Fort- bzw. Ausbildung zur Lehrerin für den evangelischen Religionsunterricht. Auch da fühlte ich mich dann wieder willkommen und irgendwie richtig. Mein ganzes Leben bin ich jedenfalls nun schon auf der Suche. Nach was? Keine Ahnung. Glaube, Religion, Gott… All‘ das ist phasenweise immer wieder ein großes Thema für mich. Bisher habe ich meinen Weg, mein „zu Hause“ wohl noch nicht so ganz gefunden – weder bei den Protestanten noch bei den Katholiken. Zum Glück gibt es da ja noch mehr als nur diese beiden Glaubensgemeinschaften.

Im Glauben aufwachsen?

Während ich mich also irgendwie fortwährend auf der Suche nach Gott, meinem Glauben und der „richtigen“ Gemeinschaft für mich befinde, ist Guido durch und durch Atheist. Er hat nicht nur der Kirche, sondern eben auch dem „lieben“ Gott und Christus abgeschworen. Das ist für uns nicht nur okay, sondern vollkommen normal. Jeder Mensch ist anders, glaubt anders. Und wenn Frieda ihn fragt: „Guido, du glaubst doch nicht an Gott, oder?“, antwortet er seiner Tochter natürlich auch wahrhaftig. Ja, jeder muss da seinen eigenen Glaubensweg finden. Es gibt kein richtig und kein falsch. Wie so oft im Leben. So soll unsere Frieda später einmal entscheiden, ob sie zu einer Glaubensgemeinschaft dazu gehören möchte. Wenn ja, zu welcher. Ob sie an Gott und Christus glauben möchte oder an etwas anderes. Oder ob sie eben auch gar nicht glauben will, so wie ihr Papa. Aus diesem Grund haben wir sie nicht taufen lassen. Da mir persönlich aber „Gottes Segen“ für ihren Lebensweg wichtig war, haben wir sie als Baby in einer evangelischen Kirche segnen lassen. Das war wunderschön und vom Ablauf her ähnlich einer Taufe – nur eben ohne den Taufakt. Und nun? Frieda bekommt durch uns Eltern beides ein bißchen mit. Wir leben weder konsequent im Glauben, noch konsequent im Nicht-Glauben. Aber immer wenn Frieda fragt, erzähle ich gerne von Gott, vom historischen Lebensweg Christi und von meinem ganz persönlichen Glauben. Von biblischen Geschichten und Figuren. Immer natürlich offen auch für andere Ideen und Gedanken. Und wir reden viel über den Tod und über das, was wohl alles Schönes danach noch kommen möge.

Glaube & Religion in der Waldorfschule

In der Waldorfschule bekommt unsere Frieda nun ein kleines bißchen der anthroposophischen Weltanschauung Rudolf Steiners mit. Eine Anschauung mit religiösen und sehr christlich geprägten Elementen, aber auch mit  den für Außenstehende zum Teil mystischen und esoterischen. Außerdem wird sie dort ja auch den Religionsunterricht besuchen und noch tiefer als bloß im Hauptunterricht in diese Glaubensrichtung eintauchen, viele Fragen stellen, auf die Suche gehen und vielleicht suchend bleiben. Bisher kann ich mich persönlich sehr gut mit den meisten dieser Gedanken und Glaubensvorstellungen identifizieren. Und gemeinsam werden Frieda und ich uns nun vorsichtig vortasten, uns hineinfühlen und weiter suchen.

1 Comment

  • Danke für deinen Beitrag. Ich bin Atheistin und ich finde es total schön, dass ihr eurer Tochter die Wahl lasst und sie später einfach selbst entscheiden kann. Meine Kinder gehen auch auf eine Waldorfschule. Mein Grosser in die 11.Klasse.Er stand stellenweise dem Religionsunterricht kritisch gegenüber. Meine Tochter ist in der 2.Klasse und findet bis jetzt einfach alles nur schön in der Schule. Lg Dana

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