Warum ich ratgeber so liebe!

ALLTAGSGESCHICHTE Schon immer lese ich gerne. Seitdem unsere Frieda auf der Welt ist, hat sich allerdings so einiges in meinen Bücherregalen verändert. Wo früher viele Krimis oder auch manchmal Fantasy-Geschichten standen, sind nun unzählige Erziehungsratgeber eingezogen. Obwohl Erziehungsratgeber wohl eher das falsche Wort sind, denn ich lese ja ausschließlich Bücher, bei denen es darum geht, mit Kindern einen aufrichtigen Dialog zu wagen und ihnen im Alltag auf Augenhöhe zu begegnen. Dass es nicht in jeder Situation leicht ist eine lebhafte, warme und herzliche Beziehung zu unseren kleinen Lieblingsmenschen aufrecht zu erhalten, ist logisch. In Stresssituationen handelt man ja oft nach alten, festgefahrenen Mustern und greift manchmal ziemlich unreflektiert auf Verhaltensweisen zurück, die wir uns in unserem Familienleben eigentlich gar nicht wünschen. Und an diesem Punkt kommen bei mir dann die vielen tollen Bücher ins Spiel…

bedürfnisorientiertes Familienleben

Für mich ist ein anderes, als das bedürfnis- und beziehungsorientierte Familienleben kaum denkbar. Vor allem auch für das hochsensible Wesen unserer Frieda ist ein verbindender und einfühlsamer Weg des Miteinanders von großer Bedeutung. Das merken wir jeden Tag aufs Neue. Bei „Bedürfnisorientiert“ geht es übrigens nicht darum immer alles „nach des Kindes Pfeife“ zu machen und dem Kind alles zu kaufen, was es gerade so haben möchte, so wie dieser Lebenseinstellung oft unterstellt wird. Neben der Sicheren Bindung sind der dem Kind entgegengebrachte Respekt und das Ernstnehmen der Bedürfnisse, Gedanken und Gefühle der Kinder wohl zwei der wichtigsten Punkte. Die Selbststimmung nimmt bei vielen Familien ebenfalls einen hohen Stellenwert ein und natürlich die Wahrung eigener Grenzen und dass die Bedürfnisse aller Familienmitglieder Berücksichtigung finden können. Das nur in Kürze. Niemand hat dabei gesagt, dass all‘ das immer federleicht ist. Ich jedenfalls komme mit unserer Frieda immer wieder in Situationen, in denen ich nicht gerade durch meine bedürfnisorientierte Brille schaue. Manchmal bestimme ich zum Beispiel für sie, obwohl es wirklich nicht notwendig gewesen wäre. Meistens sind das Momente, die einfach schneller gehen wenn ich Dinge selbst mache oder ihr schnell helfe. Da erlebe ich mich selbst viel zu ungeduldig, nicht zugewandt und (absolut unnötig!) übergriffig. Oder ich begegne ihr beispielsweise beim Zubettgeh-Zeremoniell nicht wirklich auf Augenhöhe, will endlich meinen „Feierabend“ einläuten und bin Frieda gegenüber leider eher emphatisch als empathisch. Nicht immer führen solche Situationen zum völligen Desaster, aber sparen könnte ich sie mir trotzdem. Und das sind eben nur zwei Beispiele, die mir gerade so einfallen. Es könnte so einfach sein, wenn es nicht so schwer wäre.

reflektieren und wieder ausrichten

Ja, genau. Wir sind eben auch Menschen mit individuellen Erfahrungen und vor allem inneren Ressourcen, die wiederum von unserer Verfassung an einzelnen Tag abhängig sind. Wir machen Fehler, funktionieren nicht immer gleich und erst recht nicht immer gleich richtig. Darauf kommt es natürlich auch nicht in erster Linie an. ABER wir sollten uns eben auch nicht auf diesem „Wir sind doch alle Menschen“ ausruhen. Und als Eltern einfach nur auf das berühmte Bauchgefühl zu hören, hat sich schon oft als fatal herausgestellt. Genau da treten dann nämlich die alten Muster in Erscheinung. Für mich also nicht per se die beste Option! Dann gibt’s nämlich auch keinen Raum für Entwicklung und Veränderung, finde ich.  Ich reflektiere mein Verhalten, denke über Handlungsalternativen nach und bin immer wieder in der Lage meine Reaktion mit Frieda zu besprechen und um Verzeihung zu bitten. Außerdem versuche ich die für mich schwierigen, stressigen Momente frühzeitig zu erspüren und genau dann eingefahrene Muster zu durchbrechen und anders zu reagieren. Manchmal schleifen sich bei mir auch alte Schemata wieder ein, die ich eigentlich doch schon mal eine zeitlang ganz gut zu ändern geschafft habe. Und dann kommen wieder meine geliebten Beziehungsratgeber ins Spiel, denn genau an diesem Punkt helfen sie mir. Sie helfen mir, mich wieder bedürfnisorientiert auszurichten.

Ratgeber rufen ins Gedächtnis

Ich habe wirklich schon viele tolle Ratgeber zum bedürfnisorientierten Familienleben und über hochsensible Kinder gelesen und doch lerne ich immer wieder etwas Neues dazu. Ich erweitere allerdings nicht nur ständig meinen Horizont, sondern  frische auch Vieles auf und rufe bereits Gelesenes wieder ins Gedächtnis. Manchmal sitze ich dann da und denke: „Jaaaa, Mensch. So war das und du hattest es eine zeitlang schon mal anders gemacht.“ Es wie ein Reimender für mich selbst. Und wenn mir in der nächsten schwierigen Situation mit unserer geliebten Frieda nichts Konkretes einfällt, dann aber wenigstens eines: Lieber erstmal DURCHATMEN und nicht intuitiv in einer Hau-Ruck-Aktion reagieren. Oder ich ich hänge sogar hilfreiche Nachrichten an mich selbst an Stellen auf, an denen es immer mal wieder stressig für mich wird. So hängt am Spiegel in unserem Badezimmer gerade der wundervolle Satz von Hanna Brodersen „Wenn wir verbunden sind, findet uns die Lösung von selbst!“ aus dem Buch >>Dich durch mein Herz sehen: Gewaltfreie Kommunikation für Eltern.>> – übrigens wieder ein so wundervolles Buch das ich jedem von euch ans Herz legen mag. 

Lest ihr auch so gerne Erziehungsratgeber? Wie richtet ihr euch im Alltag wieder besser aus, wenn alte Muster wieder zu doll in den Vordergrund gerückt sind?