waldorfhomeschooling

WALDORFSCHULE Nun hatte es also auch uns getroffen. In Friedas Klasse gab‘ es einen Coronafall und alle Kinder mussten für knapp 2 Wochen in Quarantäne. Dadurch, dass wir in einem Mehrfamilienhaus wohnen und mit den anderen Hausbewohnern einen Gemeinschaftsgarten nutzen, war für unsere Frieda richtige Isolation in unseren eigenen 4 Wänden angesagt. Sie durfte weder durch das Treppenhaus, noch im Garten toben. Jackpot! Für ein naturverbundenes und aktives Draußenkind grenzte das ja nun schon fast an Kindeswohlgefährdung. Nun gut. Nützte ja nichts. Wir haben versucht das Beste draus zu machen und ich denke, dass uns das auch zu großen Teilen gelungen ist! Wir haben sehr viel schöne kreative Dinge gemacht. Gemalt, gebastelt, gefilzt und gewerkelt. Frieda hat in der Zeit sogar das Fingerstricken gelernt und sich ein eigenes Springseil gestrickt. Wirklich toll! Natürlich stand in der Zeit der Quarantäne auch Homeschooling auf dem Plan. Wer uns auf Instagram folgt, der hat unser ganzes #waldorfhomeschooling sicherlich in den Stories verfolgt. Dazu habe ich so viele schöne Kommentare und Rückmeldungen bekommen. Wenn du es noch nicht gesehen hast, klick dich dort gerne mal in unsere Homeschooling-Highlights. Dort findest du viele Fotos und auch kleine Videos, die einen schönen Einblick in die Sprüche, Rituale, Lernspiele und Aufgaben an der Waldorfschule geben.

Der 3-gliedrige Hauptunterricht

Vielleicht habt ihr euch schon einmal ein bißchen mit der Waldorfpädagogik beschäftigt oder habt zumindestens schon einmal gehört, dass an der Waldorfschule die Unterrichtsfächer des Klassenlehrers im sogenannten Hauptunterricht in Epochen unterrichtet werden. Das bedeutet, dass sich die Klasse über 4 – 6 Wochen jeden Morgen mit einem einzigen Unterrichtsfach beschäftigt. In der 1. Klasse sind das jetzt zunächst Formenzeichnen (eine besondere Art der Geometrie), Schreiben und Rechnen. Über diesen Zeitraum der Epoche dürfen die Schüler sehr intensiv in das Thema eintauchen und das Gelernte darf dann bis zur nächsten Epoche ins Langzeitgedächtnis absinken. Die anderen Unterrichtsfächer wie Handarbeit, Eurythmie, Musik, Russisch und Englisch werden dann täglich nach dem Hauptunterricht ganz „normal“ nach Stundenplan unterrichtet. Friedas Quarantäne und das Waldorfhomeschooling traf uns nun recht zu Beginn der ersten Rechen-Epoche. Friedas Klassenlehrerin versorgte und ganz, ganz wunderbar mit allem, was wir benötigten, um unser waldorfhomeschooling so ähnlich wie in der Schule zu gestalten. So bekamen wir neben dem Morgen- und dem Einschulungsspruch viele sprachliche und musikalische Gedichte, Bewegungsübungen und Lernspiele für den rhythmischen Teil des 3-gliedrigen Hauptunterrichts. Einfach toll!  (An dieser Stelle sei nochmals auf unsere Homeschooling-Highlights auf Instagram verwiesen, die ihr (glaube ich) auch ohne eigenen Instagram-Account schauen können müsstet! Unbedingt Ton anmachen.). Der rhythmische Teil des Unterrichts schult als Einstieg die Willenskräfte und das Fühlen und außerdem wird der Kopf geweckt, der ja im sich anschließenden Arbeitsteil nunmal gebraucht wird.

Der Arbeitsteil in der Rechenepoche

Nach dem rhythmischen Teil ging es dann täglich an die Arbeit im Epochenheft. By the way: Das Epochenheft hat übrigens keine starre Lineatur, an die sich die Kinder halten müssen, und sie schreiben und malen generell mit Wachsmalern. Im Waldorfhomeschooling führten Frieda und ich die Zahlenreihe fort, die in der Woche zu vor in der Klasse bereits begonnen wurde. Für jede Zahl malte Frieda zunächst immer ein Bild aus der Natur, das mit der jeweiligen Zahl in Verbindung steht. Natürlich begaben wir uns immer vorher gemeinsam auf die Suche, wo diese Zahlen in der Welt überall auftauchen. Bei der 5 die Finger an der Hand, bei der 6 die Bienenwaben, bei der 7 die Wochentage usw. Als nächstes kam immer die entsprechende Zahl des römischen, additiven Prinzips, die ja ganz wunderbar hergeleitet werden können und dann „unsere“ arabischen Zahlen. Nach den 10 ersten Zahlen ging es dann mit einer wunderschönen Zwergengeschichte weiter, in der immer 10 zu einem 10er gebündelt wurden. So waren die Zahlen bis 50 ruckzuck innerhalb von 2 oder 3 Tagen so unglaublich logisch. Wirklich Wahnsinn. Auch das Zerlegen von Zahlen war mit den Astscheiben schnell begriffen und ist inzwischen zu einer Lieblingsbeschäftigung geworden. Der altruistische Gedanke am Zerlegen und das Verteilen ist einfach auch so schön, dass es mich tief berührt.

Und zum täglichen Abschluss des Waldorfhomeschoolings habe ich Frieda meistens etwas vorgelesen. Aber sowieso lesen wir ja unglaublich viel…

So war das Waldorfhomeschooling

Das klingt ja alles ganz toll und sieht auch toll aus. Ja, das war es auch. Ehrlich! Natürlich war das Waldorfhomeschooling nicht immer nur eitel Sonnenschein. Es gab‘ zwischendurch, vor allem an den ersten Tagen an denen wir uns erstmal eingrooven mussten, auch mal Wut und keinen Bock – übrigens nicht nur beim Kind. Wichtig war für mich, dass die Beziehung zu Frieda niemals leidet. Lieber Druck raus und Liebe rein. Gerade in dieser so schwierigen Zeit der Quarantäne ohne Bewegung an der frischen Luft in der Natur. Wichtig ist mir noch zu sagen, dass ich mich während des „Unterrichts“ immer zu 100% auf Frieda eingelassen  und konzentriert habe. Ich habe mich nicht nebenbei mit anderen Dingen (außer vielleicht mal einem Foto oder einem Video für die Insta-Stories…) beschäftigt, selbst im Homeoffice gearbeitet oder habe Pause gemacht. Ich war komplett und nur für sie und die Begleitung ihrer Aufgaben da. Andernfalls hätte es sicherlich auch nur halb so gut und mit viel mehr Schwierigkeiten gekappt – da bin ich mir total sicher. Zum Glück hatte ich die Möglichkeit mich ausschließlich auf Frieda einzulassen! Dafür bin ich dankbar. Denn vor allem deshalb war die Zeit mit dem Waldorfhomeschooling für uns wunderschön. Man kann doch sagen, dass wir beide die Zeit genossen und gemeinsam viel gelernt und uns miteinander entwickelt haben. „Mama, ich freue mich wieder auf die Schule, aber am schönsten wäre, wenn du dann auch immer dabei wärst!“ Und ich selbst habe so unglaublich tolle Einblicke in die Waldorfpädagogik bekommen und mir ist wieder einmal vieles „wie Schuppen von den Augen gefallen“. Die Methodik und Didaktik der Waldorfpädagogik und der organische Wechsel von Zuhören und Eigenaktivität, von Willens-, Gefühls- und Kopfarbeit entsprechend der Entwicklungsstufe der Kinder überzeugt mich immer mehr. Ich bin – nicht nur als Mama, sondern vor allem auch als Lehrerin für Sonderpädagogik – absolut begeistert von der Waldorfschule, ihrer Pädagogik und dem Blick auf die Kinder.

Während ich diese Zeilen schreibe, ist unsere Frieda nach der langen Zeit der Quarantäne zum 1. Mal wieder in der Schule. Zum Glück ist heute direkt der Waldtag und die Kinder machen nichts weiter als gemeinsam in der Natur zu spielen. ❤️

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