du musst nicht funktionieren

Am Samstag wollte ich eigentlich auf ein wundervolles Mama-Blogger-Treffen. Ich wollte eigentlich liebe Blogger-Kolleginnen wiedersehen und neue kennenlernen. Die Betonung liegt allerdings auf „wollte eigentlich“, denn mein Mini-Menschen-Mädchen hatte sich unsere Nachmittagsbeschäftigung an diesem Tag wohl etwas anders vorgestellt…

Dabei hatte ich mich so sehr auf diesen Nachmittag gefreut und stiefelte mit Frieda im Kinderwagen guter Dinge los. Passend zur Mittagsschlafzeit kuschelte sie sich auch sofort gemütlich in den Wintersack, schloss ihre müden Äuglein und erwachte bei unserer Ankunft vorm Café. Perfektes Timing, dachte ich noch. Wir betraten das Café – übrigens extra ein Kinder-und Familiencafe – und unsere Frieda fing umgehend zu weinen an. Ziemlich laut. Ich spürte und hörte es sofort. Unser Mini-Menschen-Mädchen fühlte sich dort schlicht und ergreifend einfach nicht wohl. Ich konnte es ihr auch gar nicht verübeln. Es war ihr zu groß, zu laut und zu voll. Zu viele fremde Menschen in einer für sie fremden Umgebung. Die Blicke der anderen Leute  (es waren ja noch ganze viele andere Gäste da) waren mir reichlich egal und auch meine lieben Bloggerkolleginnen mussten nun erst einmal auf mein „Hallo“ verzichten. Sofort setzte ich mich mit unserem Mini-Menschen-Mädchen auf den Boden in eine etwas ruhigere Ecke des Cafés – ohne Sichtkontakt zu anderen Menschen. Das half ihr leider nicht. Auch mein ruhiges Zureden nicht. Ihren geliebten Tee verweigerte Frieda ebenfalls und die unbekannten spielenden Kinder in der Spielecke waren ihr sowieso ein Graus. Spätestens jetzt wusste ich, dass dieser Cafébesuch nun nicht mehr „gerettet“ werden konnte und ging mit meinem laut weinenden Kind wenigstens zur Verabschiedung an unseren Tisch. Nach nur 6 Minuten verließen wir das Café also wieder und traten den Heimweg an. Ich war weder traurig, noch enttäuscht, noch wütend. Es war okay so, wie es war. Voll okay. Wir haben uns auch so noch einen ganz wundervollen Tag gemacht und viel gespielt.

Es war kein sogenannter Trotz, es war kein unbändiger Wille.

Natürlich, ich kenne unser empfindsames Mini-Menschen-Mädchen ganz gut und weiß auch, dass Übergänge und insbesondere neue und fremde Situationen oft sehr schwierig für sie sind. Meistens kann ich ihr durch Ankündigung und meine Begleitung aber genug Sicherheit geben, so dass wir schwierige Begebenheiten gemeinsam meistern, daran wachsen und am Ende doch noch richtig Spaß haben. Diesmal klappte es nicht. Einige Eltern hätten ihr Mini-Menschen-Kind vielleicht in solch einer Situation im Café zu seinem „Glück“ gezwungen, hätten es überredet, vielleicht mit einem Kakao und einer Waffel bestochen oder sich selbst sogar einfach durchgesetzt und das Kind einfach mal schreien lassen. Es war aber kein sogenannter Trotz, kein unbändiger Wille. Den gibt es meiner Meinung nach ohnehin nicht. Das Durchsetzen ist auch nicht meine Art und schon gar nicht meine moralische Überzeugung. In solchen Situationen denke ich sofort daran, wie oft unsere kleine Frieda im Alltag eigentlich toll kooperiert. Wie unkompliziert, pflegeleicht, friedlich, höflich, freundlich, kompromissbereit, voller Liebe, witzig, wunderschön und zauberhaft, willensstark, autonom, dabei empfindsam und mitfühlend mit anderen Menschen sie durch die große, weite Welt geht. Jeder Tag ist doch irgendwie getaktet: Aufstehen, Anziehen, Frühstück, mit der Bahn zur KiTa, dort spielen, basteln, essen, schlafen und und und. Dann nach Hause und zum Glück haben wir auch ganz viel Familienzeit. Und dieses kleine wunderbare Wesen macht unseren Alltag so wunderbar mit und macht ihn gleichzeitig erst so richtig lebenswert. Jeder Tag ist einfach wunderschön mit ihr und auch solch ein Tag, wie der am Samstag im Café sind voll okay! Es ist Friedas Recht „NEIN“ zu sagen. Zu sagen, dass es ihr zu große, zu laut und zu voll ist. Wir leben doch nunmal in einem Miteinander und finden gemeinsame Wege. Immer. Und keiner geht leer aus oder guckt dumm aus der Wäsche. Ich gehe gerne wieder mit dir nach Hause. Denn du bist perfekt, so wie du bist, Frieda. Du musst nicht immer funktionieren. Du musst nicht immer kooperieren. Du musst eigentlich gar nichts. Und die Mama-Blogger trinken bestimmt auch das nächste Mal einen Kaffee für mich mit, falls wir beide lieber wieder zusammen nach Hause gehen. ❤️

Und auch, wenn ich weiß, dass meine Entscheidung zu gehen absolut richtig für uns war, habe ich mich doch sehr über die Nachricht von Katharina von Sonea Sonnenschein gefreut, die mir nämlich noch schrieb, wie toll sie es fand‘, dass ich im Sinne von Frieda gehandelt habe!

3 Comments

  • Hallo Julia,

    ich könnte mich so gut einfühlen – ich habe so etwas auch schon durchgemacht. Vielmehr Lotte. Oftmals werde ich belächelt, weil sie dann nur auf meinem Schoß sitzt, während alle anderen Kinder spielen. Ab und zu wünsche ich mir dann für sie, dass sie ihre Empfindungen dann überwinden kann.
    Aber letztendlich ist es doch so: wir sind die Eltern und somit die Profis für unsere Kids. Wer, wenn nicht wir, soll den Kids denn sonst zeigen, dass sie ernst genommen werden?

    Ich war sehr traurig am Samstag dass ihr wieder gehen musstet, aber ich fand es ganz toll, dass du deine Wünsche nicht über ihre Bedürfnisse gestellt hast! So ist das Leben mit Kindern eben und wir haben uns dazu entschieden.

    Lass uns gern beim nächsten Mal überlegen, wie wir es etwas besser für die Kids gestalten können.

    Ganz liebe Grüße,

    Sarah

  • Ach wie schön! Schade, dass Du nicht hin konntest, aber ich finde auch: Du hattest völlig recht. Die Kinder müssen so oft „funktionieren“. Wenn es mal nicht geht, dann geht es eben nicht. In 10 Jahren würdest Du Dich an dieses Treffen bestimmt nicht mehr erinnern. Daran, dass Du eine rücksichtsvolle Mutter bist, wird Dich Deine Tochter aber jeden Tag erinnern.

  • Ja, das fand ich wirklich großartig.
    Ich kenne diese Situationen und kenne auch den Punkt, wenn manchmal zwar noch alles in Ordnung ist, aber wenn ich nicht aufbreche, die Stimmung kippt und DAS möchte ich meinem Kind, uns und allen anderen ersparen.
    Einmal habe ich eine solche Situation mit Vincent gehabt und eben nicht so gehandelt wie Du am Samstag und mir das im Nachhinein total vorgeworfen. Da waren wir zu einem Bloggertreffen im Legopark in Oberhausen eingeladen. Es war zu voll, zu laut, Vincent durfte noch nicht auf die Fahrgeschäfte, auf die er unbedingt drauf wollte und ihm fehlte außerdem eine Mütze Mittagsschlaf. Er hat geschrien und geschrien und war mit nichts zu versöhnen.
    Wahrscheinlich hätte ich einfach nur gehen müssen und alles wäre wieder gut gewesen.

    Liebe Grüße und bis bald 🙂

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