waldorfschul-einschulung

ALLTAGSGESCHICHTE Zwei Wochen lang ist unsere Frieda nun schon ein Schulkind und ich habe euch bisher noch gar nicht von der Einschulungsfeier und ihrem ersten Schultag als Waldorfschülerin erzählt. Der Tag war nämlich trotz der Corona-Auflagen wirklich total feierlich und rundum wunderschön. Ich fang aber lieber mal ganz von vorne an. Einige Wochen vor Friedas großem Tag flatterte hier die Information in den Briefkasten, dass jeder Erstklässler tatsächlich 5 angemeldete Begleitpersonen zur Einschulung mitbringen durfte. Wie schön! So konnten Friedas Oma, ihre Tante und ihre Cousine auch an der Einschulungsfeier teilnehmen. Diese fand‘ dann erst am Freitag statt und nicht wie bei Staatsschulen oft üblich am 2. Schultag nach den Sommerferien.

Die Einschulungsfeier in der Aula

Natürlich mit Maske ausgerüstet suchten wir uns am Freitag pünktlich um 9:50 Uhr unsere festgelegten Sitzplätze in der großen Aula der Schule. Die zukünftigen Erstklässler sollten in den Sitzreihen natürlich außen sitzen, damit diese, als sie aufgerufen wurden, schnell den Weg nach vorne finden konnten. Das waldorftypische Blumentörchen war wunderschön geschmückt und sah einfach toll aus. Eröffnet wurde die Feier zur Einschulung dann mit einer Gesangseinlage einer Lehrerin der Schule, am Flügel begleitete sie einer ihrer Kollegen. Gänsehaut pur, sag‘ ich euch! Nach ein paar wertschätzenden Worten wurde dann auch schon das erste Kind aufgerufen und von seinem Paten aus der 6. Klasse abgeholt. Dank guter Ideen der Waldorfschule war das nämlich tatsächlich auch trotz der Corona-Maßnahmen möglich. Die 6. Klässler nahmen die neuen Erstklässler zwar nicht an die Hand, sondern holten ihre Patenkinder mit einer Blumengirlande am Sitzplatz ab und begleiteten sie zum Blumentörchen. Dabei sang‘ die Lehrerin immer und immer wieder „Durchs Blumentörchen lenkst du deinen Schritt, liebende Gedanken schicken wir dir mit.“ und wir Eltern, Großeltern, Verwandte und Freunde summten leise mit – singen darf man ja in der Schule in Zeiten der Pandemie leider nicht in der Gruppe. Die Klassenlehrerin begrüßte jedes Kind hinter dem Blumentor und brachte es an seinen Sitzplatz auf einem der Bänkchen. Als Frieda dran war musste ich natürlich einige Tränen verdrücken. Es war so ein wunderschöner, feierlicher Moment voller Emotionen. Es waren aber keineswegs Tränen, weil unser kleines Mädchen nun schon so groß ist, sondern Tränen vor Glück, dass wir unserer Frieda den Besuch einer so tollen Schule ermöglichen können und sie auch tatsächlich als Kann-Kind angenommen wurde! Als die vorderen Bänkchen mit den insgesamt 29 neuen Erstklässler gefüllt waren, begann ihre Klassenlehrerin ein Märchen von vielen Königssöhnen und Königstöchtern zu erzählen, die hinauszogen, um einen Schatz zu finden. Um dessen Ende zu hören zog die neue 1. Klasse dann aber unter dem Gesang des Lieds: “ Geh‘ aus mein Herz, und suche Freud“ in ihren Klassenraum. An die Fenster des Klassenraums hatte ich eine Woche zuvor mit ein paar anderen Eltern der Klasse aus Seidenpapier schöne Fensterbilder zum Thema Märchen gekleistert. Es sieht einfach wunderschön heimelig aus.

Die erste Unterrichtsstunde

Wir Eltern gingen natürlich nicht mit in den Klassenraum (lauschten und lünkerten auch nicht – echt nicht!), sondern wurden währenddessen unten auf dem Schulhof von den Eltern der jetzigen 2. Klasse verköstigt. Auch das geht nämlich in Zeiten einer Pandemie. ☺️ Die neuen Erstklässler bekamen von ihren Paten den ersten Wachsmalstift und das erste Blöckchen in hellgelb überreicht und dann startete, wie (glaube ich) immer in der 1. Klasse der Waldorfschule in der ersten Unterrichtsstunde die erste Epoche Formenzeichnen mit der „Geraden und der Krummen“. Unsere Frieda meldete sich mutig, um auch eine Gerade und Krumme vorne an die Tafel zu zeichnen und zeigte uns diese später stolz an der Tafel und auch in ihrem Epochenheft. Das Märchen von den Königskindern wurde zu Ende erzählt und natürlich geht es für alle gut aus. Alle Königskinder finden den Schatz, der nämlich für alle in hellem Glanz erstrahlt und doch jedes einzelnen eigener Schatz ist. Was für eine tolle Metapher für Schulneulinge! Als die allererste Unterrichtsstunde zu Ende war, wurde die Klasse wieder von ihren Paten abgeholt und auf den Schulhof geführt. Dort wurden dann Klassenfotos gemacht und die Eltern durften endlich auch die langersehnte Schultüte überreichen und das große Schulkind unterm Blumentorbogen fotografieren.

Zu Hause wurde die prallgefüllte Schultüte dann in Ruhe ausgepackt. Was alles drin war erfahrt ihr übrigens im Beitrag: Was kommt in die Schultüte. Für uns war Friedas Einschulungsfeier ein wunderschönes Fest, bei dem man auf jeden Fall immer mal wieder vergessen konnte, dass wir unsere kleine-große Frieda im Corona-Jahr 2020 eingeschult haben. Denn eines muss man mal sagen: Die hiesige Waldorfschule hat es durch ihre tollen und durchdachten Ideen zu einem ganz wunderbaren und feierlichen Tag gemacht und hat sich das waldorftypische Zeremoniell nicht durch irgendwelche Corona-Maßnahmen vermiesen lassen. Dafür sind wir wirklich auch sehr dankbar, denn Kinder werden ja nunmal nur ein einziges Mal eingeschult und diese Einschulungsfeier sollte doch wohl bitte wirklich in bester Erinnerung bleiben.