alltag mit hochsensiblem kind #5

HOCHSENSIBILITÄT Viele von euch kennen sicherlich meine lockere Reihe und die damit verbundenen kleinen Anekdoten aus unserem Alltag mit unserem hochsensiblem Kind. Viele dieser Momente zeigen, wie besonders wichtig es im Leben mit hochsensiblen Kindern ist, sie mit ihren oft sehr intensiven Gefühlen nicht alleine zu lassen. Viele hochsensible Kinder benötigen in ihrem Alltag auch einen gut strukturierten und transparenten Tagesablauf. Spontane Treffen oder plötzliche Planänderungen verunsichern sie oft im besonderen Maße und sie brauchen in diesen Situationen eine noch intensivere Begleitung. So auch unsere Frieda.

unerwartet und plötzlich steht sie da

Wir fahren zu Oma. Frieda möchte an diesem Tag das erste Mal alleine bei ihr bleiben. Bisher waren wir aufgrund der Entfernung immer nur gemeinsam dort zu Besuch. Diesmal habe ich mich aber zu einem Workshop im Ruhrgebiet angemeldet und Frieda freut sich sehr auf ihre exklusive Zeit mit ihrer Oma. Schon tagelang zuvor besprachen wir alles sehr genau und detailliert. Frieda und ich überlegten uns sogar sehr konkret, wie Oma die Tür öffnet, uns begrüßt, was sie sagen könnte und wie ich mich dann für ein paar Stunden verabschieden würde. Immer wieder kommt Frieda mit diesem Gesprächsbedarf und stellt Fragen zum Ablauf des Tages. Guter Dinge und überglücklich sitzt unser Mini-Menschen-Mädchen dann im Auto. Sie liebt ihre Oma heiß und innig. Wir fahren von der Autobahn ab und düsen den langen Berg hoch, der in die Siedlung führt, in der Friedas Oma wohnt. Und dann? Dann kommt sie uns plötzlich auf der Straße entgegen. „Überraschung!“ ertönt es. Das ist es auch eine Überraschung, aber keine wirklich positive, denn es ist außerplanmäßig und nicht abgesprochen. In unseren Gesprächen, in unserem Plan und in Friedas Kopf kam diese Option nicht vor. Frieda, die sich so sehr auf Oma gefreut hat, wird sofort stocksteif und zeigt minutenlang keine Regung als Oma einsteigt und mit uns die letzten Meter zum Haus fährt. Die Freude ist wie weggeblasen. Frieda scheint in ihrem Kindersitz festgefroren zu sein. Gerne übernehme ich für unsere Tochter zu sprechen und versuche in Worte zu fassen, wie es ihr wahrscheinlich gerade geht, wie das Gefühlschaos alles durcheinander wirbelt. Erst nach guten 8 Minuten ist der Schreck überwunden.

Ich wollte doch noch den snack essen

Auch an Montagen haben wir manchmal diese Schreckminuten. Montags habe ich bis nachmittags Lehrerkonferenz und unsere Frieda weiß, dass ich sie immer montags nach dem Nachmittagssnack aus der KiTa abhole. In seltenen Fällen komme ich montags in der Schule jedoch deutlich früher als geplant los und kann Frieda folglich auch früher aus der KiTa abholen. Dann rufe ich eigentlich immer vorher in der Kita an, damit jemand unserer Frieda Bescheid sagt und sie von der plötzlichen Abholsituation nicht so „überrannt“ wird. In ihrem Kopf gibt es einen diesen einen festen Plan, der dann plötzlich doch geändert werden soll. Dabei braucht sie Unterstützung, zumindestens aber eine „Vorwarnung“. Plötzliche Änderungen im Plan werfen unsere Frieda eben kurz aus der Bahn. Manchmal auch wirklich so sehr, dass sie besonders viel Begleitung nötig hat. Und damit meine ich keine Wutausbrüche, die Kinder natürlich immer mal wieder durchleben, weil ihre Pläne durchkreuzt werden und sie nicht autonom und selbstbestimmt entscheiden dürfen. Nein, das hier ist anders!

Sind eure Kids eher flexibel bei Planänderungen oder sind sie dahingehend auch besonders empfindsam? Ich bin gespannt, ob ihr ähnliche Situationen auch kennt.

Jeder Mensch ist anders, so auch jedes hochsensible Kind. Es gibt wahnsinnig viele Facetten von Hochsensibilität und diese eine Anekdote aus unserem Alltag macht allein natürlich nicht Friedas hochsensibles Wesen aus.

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