hochsensibel und waldorfschule?!

HOCHSENSIBILITÄT Wie ihr wahrscheinlich wisst, dreht sich bei uns seit einiger Zeit vieles um das Thema Schule. Aus verschiedenen Gründen denken wir ja über eine Kann-Kind Einschulung im nächsten Jahr nach und haben uns natürlich auch schon länger intensiv mit möglichen Schulformen auseinandergesetzt. Schon früh kamen wir zu dem Entschluss, dass wir unsere hochsensible Frieda an einer „normalen“ Grundschule sehen. Klar, gibt es auch viele Lehrer an Regelschulen, die ganz tolle pädagogische Arbeit leisten, Kindern wertschätzend begegnen, individuelles Lernen ermöglichen und auch einen Blick auf Hochsensibilität haben, aber so eine Schule zu finden und dort dann auch noch angenommen zu werden (wenn man zum Beispiel aus einem anderen Stadtteil kommt) erfordert tierisch viel Glück. Und trotzdem bleibt auch an diesen Schulen der Leistungsdruck, die Noten und der Fokus auf die Vermittlung kognitiver Lerninhalte. Da reißen dann auch handlungsorientierte Elemente wie Montessori und Co auch das Ruder nicht rum, finde ich.

Gibt es überhaupt DIE gute Schule?

Gibt es überhaupt DIE gute Schule. Schon vor rund 1 1/2 Jahren beschäftigte mich diese Frage. Den Tenor meines Blogbeitrags „Welche Schule für mein Jedes Kind?“ unterschreibe ich immer noch, allerdings sind wir mittlerweile schon etwas weiter in der Auswahl der möglichen Schulen für unsere Frieda. Geholfen haben uns sehr viele Gespräche aber auch Bücher, unter anderem auch das im Beitrag „Beste Schule für mein Kind“ vorgestellte gleichnamige Buch. Es räumt mit Vorurteilen auf und ist eine tolle und längst überfällige Entscheidungshilfe für alle Eltern! Wenn du dich also gerade noch im Suchprozess befindest – das Buch kann ich für einen Gesamtüberblick echt empfehlen. Fakt ist und bleibt aber: Jedes Kind ist anders und gerade in der heutigen Zeit sollte uns diese Tatsache mehr als bewusst sein. Wenn die Tochter einer Bekannten oder der Sohn der Schwägerin gut an einer Schule zurecht kommt, die Konzepte an dieser Schule toll zu sein scheinen, die Schule womöglich noch grandiose Auszeichnungen hat und ganz nebenbei eine hohe Quote an Gymnasialempfehlungen ausspricht, heißt das noch lange nicht, dass diese gute Schule auch wirklich die richtige für mein Kind und unsere Familie ist. Es gibt immer Familien, für die genau diese Schule dann ausgerechnet nicht passt – da helfen auch gute Bewertungen, viele andere erfolgreiche Kinder und besondere Konzepte nicht. Und entgegengesetzte Meinungen und kritische Zeitungsartikel gibt es ja ohnehin immer zu allem. Ich will damit sagen, dass es DIE perfekte und gute Schule in meinen Augen eben nicht gibt und nur, weil ein Konzept, eine Ausrichtung oder das gelebte Menschenbild nicht deins ist und du deine Kinder niemals dort anmelden würdest, kann es für uns eben genau das richtige sein. Wichtig ist, finde ich, dass man trotz seiner Meinung immer auch offen bleibt und andere Lebensentwürfe und andere Gedanken gelten lässt.

Hochsensibilität und Waldorfschule

Für uns ist eine Grundschule im „normalen“ Schulsystem nun rein gar nichts, auch nicht, wenn sie handlungsorientierte Elemente von Montessori und Co implementiert. Wir sehen unsere Frieda tatsächlich an der hiesigen Waldorfschule. Das hat uns der „Tag des Offenen Klassenzimmers“ und das Michaelifest gestern auf jeden Fall nochmal bestätigt und auch die Infoveranstaltungen im November werden unsere Entscheidung sicher noch mehr festigen. Wir wollen Waldorf! Und passt denn jetzt ein hochsensibles Kind überhaupt an eine Waldorfschule? 30 Kinder im Klassenraum müssen doch für ein hochsensibles Kind viel zu laut sein. Als ich am Hospitationstag dem Russischunterricht (in „unserer“ Waldorfschule wird ab der ersten Klasse bereits Russisch gelehrt) in Klasse 4 beiwohnte, ging es vor dem Beginn der Stunde natürlich schon recht lebhaft zu. Es wurde gequatscht, gelacht und gespielt. Ganz normale Kinder! Die Stimmung war dabei aber durchweg positiv und alle ausgesprochen freundlich zueinander. Klar, das war eine Momentaufnahme und auch eine Waldorfschule ist keineswegs vor Missgunst und Mobbing gefeit, aber wenn ich von einer besonderen Atmosphäre spreche, dann wisst ihr vielleicht, was ich meine?! Es war laut, aber schön laut. Als sich die Russischlehrerin dann vor die Klasse stellte und die Arme vor der Brust überkreuzte, wurde es in Sekundenschnelle mucksmäuschenstill und das erste russische Gedicht wurde gemeinsam gesprochen. Ich war echt geflasht. Von der ganzen Stunde, in der die ganze Zeit nur gesprochen, gespielt und vor allem sich bewegt wurde. Lautstärke ist für unsere Frieda mittlerweile gar nicht mehr so belastend ist (sie geht in eine Brennpunkt-Kita, in der es oft wirklich unschön laut ist) und sie spielt auch selbst gerne lautstark spielt und ist deshalb kein echtes Ausschlusskriterium für uns. In unseren Augen ist gerade für unsere hochsensible Frieda viel mehr das Lernen mit Kopf, Herz und Hand und der Raum für individuelle Entwicklung wichtig. Das ist an der Waldorfschule genauso gegeben, wie feste Strukturen und Rituale und eine konstante Bindungsperson über 8 Schuljahre hinweg. Aus Erfahrungen wissen wir nämlich, dass ihr immer wiederkehrende Rituale und eine liebevolle Begleitung Sicherheit geben und ihr introvertiertes, hochsensibles Wesen dadurch wunderbar aufblühen kann. Dass an der Waldorfschule die Bereiche Musik, Tanz, Malen und handwerkliche Tätigkeiten dann auch noch so einen hohen Stellenwert haben, sind neben einigen anderen Aspekten, definitiv große Pluspunkte für uns. Obwohl Frieda inzwischen ganz gerne in die KiTa geht, zeigt sie sich dort aus verschiedenen Gründen ja leider nicht wirklich mit ihrem ganzen Wesen, ihren Stärken und Interessen, sondern vieles davon bleibt eher im Verborgenen und entfaltet sich bisher lediglich zu Hause. Ich bin mir sicher, dass sie sich an der Waldorfschule viel mehr „zu Hause“ fühlt. Und unabhängig davon, dass viele andere Eltern hochsensibler Kinder super Erfahrung mit Waldorfschulen machen, ist für uns nun klar: Wir wollen Waldorf! Auch Frieda sagte gestern sofort: „Hier möchte ich zur Schule gehen!“. ❤️ Wir hoffen, dass unser aller Wunsch sich erfüllt – als Kann-Kind im nächsten Jahr oder als reguläres Schulkind 2021.

[Jeder Mensch ist anders, so auch jedes introvertiert hochsensible Kind. Es gibt wahnsinnig viele Facetten von Hochsensibilität und unsere Erfahrung und Meinung muss nicht zu eurer Familie und eurem hochsensiblen Kind passen.]

In unserer Rubrik ★ Hochsensibilität ★ sind bereits ganz viele Artikel über Friedas hochsensiblen Alltag erschienen. Lest gerne mal rein und hinterlasst uns einen Kommentar!