die hochsensible scheu vor Wasser

HOCHSENSIBILITÄT ​Wie wohl die meisten Paare mit erstem gemeinsamen Kind, meldeten wir uns einige Monate nach Friedas Geburt zu einem Babyschwimmkurs an. Babys lieben Wasser ja nunmal, so sagten mir jedenfalls alle, denn Wasser erinnere sie an ihre Zeit im Mutterleib. Die Flyer und das Internet waren auch voller glücklich quietschender Babys, die durchs Wasser gezogen und – Dank ihrer Reflexe – sogar problemlos untergetaucht wurden. Außerdem hat es auch so viele positive Aspekte für die Entwicklung. Kann also nur gut sein, so ein Schwimmkurs. War es aber nicht. Man könnte jetzt vermuten, dass das Setting in dem kleinen Schwimmbad, das stressige An- und Ausziehen in viel zu engen Kabinen, die lauten Föns der Kursteilnehmer vor uns, die schwüle Hitze und der in den Räumlichkeiten hallende Gesprächslärm zu viel für Frieda war. Stimmt auch. Das war es definitiv – absoluter Overkill für ein hochsensibles Baby. (Dass unsere Frieda hochsensibel ist, wussten wir zu diesem Zeitpunkt natürlich noch nicht!) Aber es war nicht nur das Drumherum. Es war auch das Wasser…

Warmes Babybad zu Hause? NEIN!

Wir brachen den Babyschwimmkurs nach drei Terminen ab. Wir hätten es uns aber eigentlich auch denken können. Das Element Wasser fand Frieda nämlich von Anfang scheußlich und zeigte sich absolut wasserscheu. Während andere Babys ein- bis zweimal in der Woche in einer wohlig-warmen Babywanne baden durften und ihnen beim Planschen die Freude so richtig im Gesicht stand, schrie unsere Frieda immer. Lauthals. Bei jedem Bad. Egal wann, egal wie, egal wo. Sie schien sich im Wasser einfach nicht wohl zu fühlen. Wir zwangen sie natürlich zu nichts, ließen das Baden einfach sein und benutzten lange Zeit nur feuchte Waschlappen zum Waschen. Geht ja schließlich auch. Irgendwann, als Frieda schon länger selbstständig sitzen konnte, probierten wir es mit einem Planschbecken. Langsam tastete sie sich ans Wasser heran und hatte zunehmend Spaß beim Spielen, Planschen und Schöpfen. Das freute uns natürlich sehr. Zum Glück klappte das Baden in der Badewanne irgendwann auch etwas besser, kam Frieda nämlich langsam in ein Alter, in dem nach einem Spielplatzbesuch überall am Körper Sand klebte. Wasser am Kopf war aber immer noch ein absolutes NoGo. Und damit meine ich nicht das klassische Wasser-über-den-Kopf wie beim Haarewaschen. Nein. Ich meine Tröpfchen in Kopfnähe. Und sobald Wassertropfen ihr Gesicht berührten, musste das Baden sofort abgebrochen werden und wurde viele Wochen wieder komplett verweigert.

Hochsensibilität und Wasser

Irgendwann las ich dann auch, dass viele hochsensible Kinder wasserscheu sind. Wobei das Wort wasserscheu ja eher in der Tierwelt benutzt wird. Die erhöhte Wahrnehmungsfähigkeit und die Reizoffenheit hochsensibler Kinder führt dann nämlich dazu, dass sie kein Wasser im Gesicht oder auf dem Kopf ertragen und auch schlichtweg Angst haben, die Kontrolle zu verlieren und zu ertrinken. Im Laufe der ersten Jahre wurde Frieda aber langsam vertrauter mit Wasser. Wie bei allem anderen auch, musste Frieda nicht leiden. Wir ließen sie  immer selbst entscheiden, machten keinerlei Druck und gaben ihr die Zeit, die sie so dringend benötigte. Auch, wenn andere Kinder schon viel furchtloser und „viel weiter“ waren. Frieda wurde mutiger, wuchs über sich hinaus, überwand ihre Angst und probierte sich im Element Wasser selbst mehr und mehr aus. Als Frieda 3 Jahre alt war, machten wir einen Eltern-Kind-Schwimmkurs. Sie wollte es ganz doll und wir waren sind der Meinung, dass man sich behutsam annähern müsse, sonst ist ja nunmal keine Entwicklung möglich.

wasserscheu beim kleinkindschwimmen

Inzwischen mochte Frieda das Schwimmen aber tatsächlich sehr gerne und sie freute sich auf den Kurs und jede einzelne Stunde. Der Kurs war auch echt cool mit schönen Übungen und Spielen. Während alle anderen Teilnehmer aber bei diversen Liedern im Kreis standen und Bewegungen mimten, aufs Wasser klatschten, Eltern ihre Kinder hochwirbelten und zum Teil auch tauchen ließen, befanden wir uns immer mindestens 1,5 Meter entfernt von der Meute und machten dort, in sicherer Entfernung, ausschließlich die Bewegungen des Liedes, die für Frieda passten. Solange nur ihre eigenen Wasserspritzer ihr Gesicht berührten war alles ganz okay. Spritzer, dessen Intensität und Dauer sie aber nicht selbst unter Kontrolle hatte, mussten unbedingt von ihr ferngehalten werden. Diesmal absolvierten wir den kompletten Kurs, meldeten uns aber erstmal nicht zum Folgekurs an und besuchten regelmäßig im Alleingang das Schwimmbad. Das brachte uns definitiv mehr.

Frieda will schwimmen lernen!

Frieda liebt es ins Schwimmbad zu gehen und strahlt im Wasser vor Glück. Mit der Schwimmnudel düst sie durchs Becken wie ein Fisch und rutscht stolz die Rutsche im Nichtschwimmerbecken – auch wenn es etwas platscht. Unter der Dusche und in der Badewanne zu Hause übt Frieda ganz fleißig Wassertropfen oder kleine Rinnsale auf Kopf und im Gesicht zu ertragen. Sie schüttet sich selbst Wasser über den Kopf oder taucht mit dem Gesicht leicht ins Wasser ein. Seit unserem Sommerurlaub am Meer möchte unsere Frieda nun wirklich schwimmen lernen. Wir werden wieder einen Schwimmkurs machen. Diesmal aber einen ganz anderen. Es ist ein ganzheitliches Konzept komplett ohne Schwimmhilfen und sicherlich werde ich euch davon berichten. Und wer weiß. So wie ich unsere Frieda kenne, wird sie dann durchstarten. Wenn sie nämlich etwas wirklich will, dann beißt sie sich fest, hat enormes Durchhaltevermögen und Ehrgeiz, fasst allen Mut zusammen und überwindet Ängste. Dafür bewundere ich sie sehr! Hochsensibel und löwenstark.

[Jeder Mensch ist anders, so auch jedes introvertiert hochsensible Kind. Es gibt wahnsinnig viele Facetten von Hochsensibilität und diese Anekdote aus unserem Alltag macht allein natürlich nicht Friedas hochsensibles Wesen aus.]

In unserer Rubrik ★ Hochsensibilität ★ sind bereits ganz viele Artikel über Friedas hochsensiblen Alltag erschienen. Lest gerne mal rein und hinterlasst uns einen Kommentar!

5 Comments

  • Hallo Julia,
    Vielen Dank für den Artikel! Genau so ist es bei meinem Sohn auch gewesen. Aktuell können wir baden, aber das Haare waschen ist und bleibt schrecklich. Gibt es hierzu Lektüre/Ratgeber/Erfahrungsberichte/blogs, wie man ihm das leichter machen kann?
    Ich stehe noch ziemlich am Anfang des Themas… LG Eva

  • Wow! Was für ein toller Artikel.
    Meine Maus ist auch hochsensibel und wir haben auch sehr „mühsamen“ Weg mit dem Thema Wasser hinter uns.
    Mittlerweile ist meine Tochter 26 Monate alt und wir tasten uns immer mehr heran.

  • Liebe Eva,
    ich freue mich über deinen Kommentar. Ich glaube es geht sehr vielen Kindern so. Ich habe leider auch noch keine Literatur konkret zum Thema Haare waschen, Wasser, Schwimmen etc. gefunden – oder zumindestens dann eben keine bindungs- und bedürfnisorientierte Variante. Wenn man so das Internet durchforstet, begegnet einem halt immer auch noch das „da muss das Kind eben durch“, „davon ist noch keiner gestorben“ oder „einfach mal untertauchen“. Leider manchmal nicht nur im Internet… Das ist eben auch gar nicht unser Weg. Zu schlimmsten Zeiten habe ich sogar mal eine zeitlang Trockenshampoo genommen um zu überbrücken oder nur mit dem Waschlappen abgewaschen. Und dann halt ohne Druck immer etwas mehr angetastet, sie selbst ausprobieren lassen, vorsichtig den Waschlappen leicht auswringen und und und. Als Haarewaschen dann ein kleines bißchen ging, musste von vorne an der Stirn aber immer noch ein dickes Handtuch gehalten werden, damit bloß kein Tropfen ins Gesicht rinnt. Jetzt reicht „kopf-nach-hinten“ aus und wenn was tropft oder rinnt, gibt es kein Geschrei, aber es ist schnelles Abtrocknen angesagt. Es gibt ja diese Kannen zum Haarewaschen oder so Ringe für den Kopf. Habt ihr euch das mal angeschaut?

  • Mein Großer war auch enorm wasserscheu. Nach einer sehr langsamen Gewöhnung mit mehreren Wasserkursen, bei denen nichts erzwungen wurde, war es bis vor 4 Monaten immer noch eine furchtbare Überwindung, das Gesicht in Wasser zu tauchen. Aber er machte seine ersten Schwimmzüge ohne Hilfe. Seitdem waren wir, damit er das nicht wieder verlernt, jede Woche schwimmen. Und diese Regelmäßigkeit hat so viel gebracht. Er schwimmt jetzt schon ganz sicher und vor allem: er taucht unter, ohne lang nachzudenken, bekommt keine Panik wenn er untergeht sondern schwimmt wieder nach oben. Ein paar mal waren Freunde mit dabei, bei denen er sich dann einiges an „Übermut“ abgeschaut hat und plötzlich ins Wasser gesprungen ist.

  • Hey Manuela,

    danke für deinen Kommentar. Ich freue mich sehr darüber, denn es ist wirklich sehr schön solche Erfolgsgeschichten zu hören. Ich bin zwar auch guter Dinge, dass das mit dem neuen Schwimmkurs (wie immer ohne Druck und Zwang) auch bei uns die letzte „Zündung“ gibt, aber es war definitiv ein etwas anderer Weg als bei vielen, vielen Kids.

    LG, Julia

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