wackelzahnpubertät im anmarsch?

ALLTAGSGESCHICHTE „Ich ziehe aus und suche mir neue Eltern. Du bist die blödeste Mama…“ schreit mir unsere Frieda entgegen, tritt heftig in die Pedale ihres Fahrrads und braust los. Zum Glück befinden wir uns mit den Rädern gerade nicht an einer stark befahrenen Straße, sondern auf einem Feldweg in Richtung Wald und wir können sie abdüsen und ihre Wut auspowern lassen. So schnell wie dieses Gefühle-Blitzgewitter mit seinen Schimpftiraden nämlich gekommen ist, wird es gleich wieder verschwunden sein. Einfach so. Das kennen wir jetzt schon seit ein paar Wochen. Wir hören ganz oft „Macht ja nix“, „Mir egal.“ oder „Weiß ich schon!“ und sowieso ist vieles total „unfair“. Bei Instagram erzählte ich bereits davon und bekam von einigen anderen Mamas die Rückmeldung, dass mit diesen plötzlichen Stimmungsschwankungen und dem „Ich ziehe aus“-Klassiker bei uns tatsächlich jetzt diese berühmt-berüchtigte Wackelzahnpubertät losgehen könnte.

Wackelzahnpubrtät ohne Wackelzähne

Ist Frieda denn nun wirklich schon so weit? Sie ist doch erst 5 und ein paar zerquetschte Monate alt.  Zähne wackeln hier definitiv noch nicht und bestimmt lässt der erste wackelige Geselle auch noch etwas auf sich warten. Die ersten Anzeichen der Wackelzahnpubertät oder auch 6-Jahres-Krise, wie diese Phase auch oft auch genannt wird, muss aber längst nicht mit dem Verlust der Milchzähne beginnen. Das Wackeln der Zähne ist ja nur eines von vielen Anzeichen. Fakt ist, dass Kinder ab 5 Jahren keine Kleinkinder mehr sind, sondern sich in einer Zeit des Umbruches befinden, in dem aus Kindergartenkinder langsam Schulkinder werden. Da wackelt nunmal auch die Seele, wie die Waldorfpädagogin Monika Kiel-Hinrichsen in ihrem gleichnamigen Buch beschreibt. Auch optisch passiert da was und selbst wir Eltern, die das Kind im Moment 24/7 um uns herum haben, sehen ihm diese enorme Veränderung an – auf allen Ebenen. Kann es also doch sein, dass es diese Phase ist, die so ganz anders anstrengend als bisher durchlebte Phasen sein wird? Ist es die Wackelzahnpubertät, durch die wir gemeinsam durch müssen, an der wir wieder gemeinsam wachsen? Ich glaube ja.

Gefühle zunehmend alleine regulieren

Und das wird gerade mal der Anfang sein. Für unsere Frieda ist dieses ganze Ding mit der Wackelzahnpubertät gewiss genauso aufreibend wie für uns als Eltern. Ja, sogar anstrengender, denn sie muss sich ja selbst neu finden und wir können sie dabei (nur) begleiten. Wenn sie will. Denn Frieda ist manchmal nicht nur gereizt, besonders launisch und schimpft dann wie ein Rohrspatz vor sich hin, sondern will nun ihre Gefühle zunehmend selbst regulieren. So wie in der oben beschriebenen Situation mit dem Fahrrad. „Lass mich. Hau ab“ und „Geh weg“ sind bei einem plötzlichen Wutanfall an der Tagesordnung. Sie übt also gerade ihre innere Gefühlswelt alleine im Zaum zu halten und sie angemessen nach aussen zu transportieren. Lange hat Frieda ihre Gefühle aktiv im geschützten Raum erleben dürfen, wurde dabei von uns begleitet und vor allem auch co-reguliert. So hat sie sich scheinbar schon zahlreiche hilfreiche Strategien zur Emotionsregulation aneignen können und übt nun selbst die Herrin ihrer Gefühle zu werden. Das braucht man ja nicht nur in der Schule, sondern im ganzen Leben. Neben den kurzweiligen Schimpftiraden, die wir Eltern derzeit aushalten, finde ich diesen Entwicklungsschub so spannend und unglaublich faszinierend. Wir können quasi dabei zusehen, wie sich jetzt im Vorschulalter und in dieser sogenannten Wackelzahnpubertät der präfrontale Cortex und mit ihm die exekutiven Funktionen explosionsartig entwickeln. Also versuchen wir Frieda nun den nötigen Raum und die Zeit zu geben, das Ende der Welle intensiver Gefühle abzuwarten, sich selbst zu beruhigen, aber unterstützen sie natürlich dabei, falls sie es wünscht. Wahnsinn, was da wieder in diesem kleinen-großen Körper passiert.

Ich habe mich edenfalls nun schon nach geeigneter Literatur umgeschaut und werde mich intensiv in das Thema Wackelzahnpubertät einlesen. Gerne gebe ich diese Buchempfehlungen dann natürlich auch an euch weiter.

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