wenn das kind nur zu mama will

mama1HOCHSENSIBILITÄT Unsere Frieda ist schon immer ein absolutes Mamakind. Von Anfang an blieb sie nicht nur nicht im Kinderwagen oder im Bett liegen, sondern auch kaum eine Sekunde auf dem Arm eines anderen Menschen. Nicht bei den Omas, nicht bei anderen Familienmitgliedern, nicht bei Bekannten und noch nicht mal bei ihrem Papa. Sie schrie sofort los. Und es war ein besonderes Schreien, anders als das wegen Hunger, Müdigkeit oder aufgrund eines gluckernden Bauches. Da mir schon rein intuitiv der bedürfnisorientierte Weg als der einzig wahre und richtige für uns erschien, war Schreienlassen niemals eine Option für uns. Also, trug ich sie. Immer. Auf mir, in meinem Arm und in der Trage. Im Laufen, im Stehen, im Sitzen, im Liegen. Und auch heute, nach 3 1/2 Jahren, hat sich noch nicht wirklich viel daran geändert. Ich trage sie zwar nicht mehr den ganzen Tag herum, denn sie will die Welt inzwischen auf eigenen Füßen entdecken und erkunden, aber Mama ist und bleibt die absolute Nummer Eins – egal, um was es geht.

Wenn der Papa fast nichts darf

mama2Anziehen, das Zubettgehen, Vorlesen, Malen und Basteln, Spielen oder selbst die Action auf dem Spielplatz. Papa darf das meistens nicht (alleine) tun. An manchen Tagen, in besonders intensiven Phasen darf Guido ihr, wenn es nach unserer Frieda geht, noch nicht mal Getränke reichen, ihr bei irgendetwas behilflich oder mit uns in einem Raum sein. Das ist natürlich nicht immer leicht für uns als Familie. Für den hilflosen Papa nicht, der trotz vieler Bemühungen immer wieder Ablehnung erfährt und auch für mich als Mama nicht, die kaum eine Minute „Sendepause“ hat. Papa nimmt die Ablehnung seiner Tochter zum Glück aber niemals persönlich, sondern genießt jeden kleinen Augenblick mit seiner Frieda, der sich ihm bietet. Und ich finde diese besondere Verbindung zu meiner Tochter ebenfalls ausschließlich wunderbar und bereichernd, so dass ich in unserem Alltag nur sehr selten das Gefühl habe, durch dieses enge Band zu ihr überlastet zu sein. Wenn ich selbst krank bin, sowie wie in den letzten Tagen, dann stoße ich natürlich auch schon mal an meine Grenzen, klar. Sonst aber haben wir einen Groove, der uns durch unser wunderschönes Familienleben trägt. Erst neulich auf einer Geburtstagsfeier, als Bekannte von uns mitbekamen, dass Frieda ausschließlich Mama um sich haben wollte, hörte ich wieder mal, dass es bestimmt irgendwann einmal besser werden würde. Auch, wenn es vielleicht nicht wortwörtlich gemeint war, hallten diese Worte etwas in mir nach. Besser? Besser muss es doch immer nur dann werden, wenn es irgendjemandem schlecht damit geht. Schlecht geht es uns damit nicht. Wir haben unseren besonderen Alltags-und Lebensrhythmus nämlich schon lange gefunden. Einen Rhythmus, der im Grunde nur dann durchkreuzt wird, wenn andere Menschen meinen diesen bewerten oder gar ändern zu wollen.

es geht niemals um Schuld

mama3Wenn Kinder besonders empfindsam sind und nur Mama als Bindungsperson annehmen, dann wird immer schnell geurteilt und nach einem Schuldigen gesucht. Ist doch klar, wer in den Augen anderer die Schuld daran trägt, oder? Natürlich Mama! Die Helikoptermama höchst persönlich, die ihr Kind nicht loslassen kann und will, sondern es in Watte packt. Ihr kennt es vielleicht selbst, dieses Gerede und die damit verbundenen tollen Tipps. „Du musst auch mal loslassen. Sie muss sich einfach mal an andere gewöhnen!“ Am liebsten hätte ich damals ganz laut BULLSHIT gerufen und würde es den Menschen gerne heute noch nachträglich ins Gesicht brüllen. Es kann niemals um Schuld gehen. Auch wenn ich bis jetzt vielleicht noch nicht die Allerbeste im Loslassen geworden bin und Guido wiederum nicht der Allerbeste im einfühlsamen Umgang mit unserer hochsensiblen Tochter, dann darf es doch niemals darum gehen, wer Schuld ist. Schuld an was denn überhaupt? Schuld an einem unglaublich wissbegierigen und begabten, emphatischen und sensiblem Kind? Wir jedenfalls nehmen unsere Frieda so an, wie sie ist und begegnen ihr wo immer es geht so bedürfnisorientiert, wie sie es braucht, um sich wohl, sicher und geborgen zu fühlen. Wir rollen definitiv nicht über ihre Bedürfnisse hinweg oder brechen ihren Willen (wie wir auch schon mal als Tipp gehört haben!), damit sie sich vermeintlich an etwas gewöhnt. Wir machen so weiter wie bisher. Frieda ist von Anfang an ein Mamakind und vielleicht wird Papas Zeit irgendwann noch kommen, ja. Vielleicht wird sie aber auch immer ein wundervolles Mamakind bleiben. Ja und?

Seid ihr auch Mamakind-Mamas? Wie geht es euch damit? Konntet ihr euch gut eingrooven oder fällt es euch schwerer? Wie reagiert euer Umfeld?

Jeder Mensch ist anders, so auch jedes hochsensible Kind. Es gibt wahnsinnig viele Facetten von Hochsensibilität und diese eine Anekdote aus unserem Alltag macht allein natürlich nicht Friedas hochsensibles Wesen aus.

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1 Comment

  • Kommt mir total bekannt vor. Unsere Erste kuschelte mit uns beiden. Später als sie laufenlernte war ich die Nr. 1. Dann kam Kind 2 und alles wurde etwas anders, besonders für unsere Nr.1 :-). Aber , mein Mann half wo er konnte und unsere Zweite liebt ihn, er ist ihre Nr.1. Das fand ich gerecht und war glücklich, dass wir jeder „unser“ Kind hatten und es war und ist auch natürlich für uns.
    Dann kam Nr. 3. Er wollte viel Kuscheln, ständig nuckeln… Meine Freundin schickt uns kurzerhand ihr Tragetuch und der erste Schnulli zog ein… Als er größer und wuseliger wurde stieg ich auf meine geliebte Manduca um… Die sieht nun nach 3 getragenen Kindern auch entsprechend aus. Aber das ist mir egal und ein ganz anderes Thema 😉 … Der Lütte lässt sich nur von mir wickeln. Bin ich mal nicht da, darf mein Mann ausnahmsweise… Fällt er hin oder wird müde, dann bin ich die Nr. 1. Es ist nicht immer leicht IMMER zuständig zu sein. Manchmal wünschte ich schon, das es etwas anders wäre. Die Mädels finden das auch nicht immer toll… Aber wir versuchen Premiumzeiten mit den Kindern einzuplanen. Das klappt mal mehr, mal weniger gut. Sei es nur einen Mädelsnachmittag oder zum Badesee nur mit Papa….

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