alltag mit hochsensiblem kind #8

ALLTAGSGESCHICHTE Heute habe ich mal wieder einen Beitrag aus meiner lockeren Reihe über den Alltag mit unserer hochsensiblen Tochter. Wie ihr ja inzwischen sicherlich wisst, liegt mir das Thema Hochsensibilität besonders am Herzen. Die Welt da draußen weiß einfach immer noch zu wenig über hochsensible Menschen, reagiert deshalb noch viel zu oft mit Unverständnis und hat sofort den defizitären Blick auf das Kind. Mit meinen Anekdoten aus unserem Familienleben möchte ich gerne aufklären, aber auch Eltern hochsensibler Kinder Mut machen zu diesem besonders tollen Persönlichkeitsmerkmal ihrer Kinder zu stehen und sich gegenüber anderen Menschen, Erziehern und Lehrern noch deutlicher zu positionieren – für unsere Kinder!

raus aus der hochsensiblen komfortzone

Wenn es nach unserer Frieda geht, würden wir alle den ganzen Tag zu Hause verbringen. Hier ist sie am glücklichsten, fühlt sich sicher und geborgen. Hier kann sie sein wie sie ist und zeigt sich mit all‘ den Facetten ihrer Persönlichkeit. Sie ist ganz sie selbst. Klar, zu Hause bestimmt sie weitestgehend das Tempo, die Lautstärke und den Wechsel zwischen Aktivitäts- und Ruhephasen. Außerdem wird es ihr mit uns auch ganz gewiss nicht langweilig – echt nicht. Sie könnte wahrscheinlich den ganzen Tag mit uns puzzeln, Bücher lesen, malen, spielen und natürlich Hörspiele hören. Fragt man sie, gibt es einfach so unglaublich viele Sachen, die sie den lieben langen Tag machen möchte. Aufgrund ihrer Hochsensibilität und ihres enormen Ruhebedürfnisses – besonders nach einem Vormittag in der KiTa – haben wir tatsächlich auch keinen getakteten Wochenplan und keine festen Termine am Nachmittag. Je nach Lust und Laune schwingen wir uns unter der Woche allerhöchstens mal zum gemeinsamen Einkauf in den Supermarkt oder kümmern uns um Balthazar, das Pony für das wir eine Pflegebeteiligung haben. Mehr läuft nachmittags in der Regel bei uns nicht. Am Wochenende sind wir dann schon aktiver. Zusätzlich zu Friedas fester Reitstunde unternehmen wir natürlich viele verschiedene Dinge. Wie man das als Familie eben so macht. Schwimmbad, Zoobesuch, Frühstück im Kindercafé, Verabredungen mit Freunden, Radtour, Abenteuerspielplatz und und und. Nun ist es allerdings nicht so, dass Frieda sich grundsätzlich tierisch auf Unternehmungen oder Treffen mit Freunden freut – ganz im Gegenteil. Oft äußert sie sogar, dass sie am liebsten mit uns zu Hause sei, niemanden treffen und erst recht keine besonderen Ausflüge machen wolle. Und obgleich wir natürlich auch am Wochenende ab und zu mal „Gammeltage“ zu Hause einlegen, wissen wir, dass wir Menschen generell und hochsensible Kinder im Besonderen, raus aus der Komfortzone und rein ins Leben müssen. Und darauf bestehen Guido und ich eben manchmal auch. Sonst wären wir wohl immer nur drinnen, würden nix und niemanden treffen. Friedas würde niemanden kennenlernen, nichts neues lernen und sich vor allem nicht weiterentwickeln. 

gut begleitet neues kennenlernen

Jeder Familienausflug ist also ein Schritt raus aus Friedas Komfortzone. Ihre Teilnahme am VOX-Projekt „Wir sind klein und ihr seid alt“ im vergangenen Herbst war sogar ein echt gigantischer Schritt und ich bin wirklich unglaublich stolz auf sie. Gerade hochsensible Kinder müssen nämlich üben diesen, für sie nicht immer selbstverständlichen Schritt zu wagen, über sich hinauszuwachsen, selbstbewusster zu werden, mit seinen Ängsten und Unsicherheiten umzugehen und sich selbst zunehmend mehr zuzutrauen. Das gelingt allerdings ausschließlich gut begleitet von vertrauten Bindungspersonen, die sie auf Veränderungen vorbereiten und mit ihren Gefühlen ernst nehmen. Sie brauchen Menschen an ihrer Seite, die Gefühle verbalisieren und mit ihnen Handlungsmöglichkeiten durchsprechen. Dann brauchen hochsensible Kinder zwar immer noch etwas mehr Zeit um sich auf etwas Neues einzulassen und sich damit wohlzufühlen, aber sie profitieren so unglaublich davon. Sie brauchen viele, viele positive Erfahrungen und sie müssen merken, dass sie sich bedingungslos auf ihre vertrauten Bindungspersonen verlassen können.

Unsere Frieda hat so schon ziemlich viel geschafft, sich total entwickelt. Sie wirkt manchmal sogar regelrecht kess und aufgeweckt in für sie unbekannten Situationen. Man merkt richtig wie gut ihr die vielen positiven Erfahrungen bisher getan haben und wie wichtig es ist, dass wir Eltern ihr Rettungsanker in allen Lebenslagen sind, Unwägbarkeiten mit ihr gemeinsam durchstehen, immer wieder das Gespräch mit den Erziehern in der KiTa suchen und Frieda gerade dort mit unschönen Situationen nicht alleine stehen lassen, wenn sie sich selbst noch nicht traut etwas zu sagen. In den Augen mancher wirke ich vielleicht wie eine Helikoptermum (obwohl diese dann den Begriff einer Helikoptermutter noch niemals wirklich nachgelesen haben werden), aber eines bin ich definitiv:

Für immer da für mein Kind, das ich bedingungslos mit seiner wundervollen Persönlichkeit annehme und über alles liebe. 

[Jeder Mensch ist anders, so auch jedes hochsensible Kind. Es gibt wahnsinnig viele Facetten von Hochsensibilität und diese Anekdoten aus unserem Alltag machen allein natürlich nicht Friedas hochsensibles Wesen aus.]

In unserer Rubrik ★ Hochsensibilität ★ sind bereits ganz viele Artikel über Friedas hochsensiblen Alltag erschienen. Lest gerne mal rein und hinterlasst uns einen Kommentar!

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